Hey Leute,
zusammen mit meinem Kollegen Playmuzikk führte ich ein Interview mit Pasu, Stellvertreter für Mellowvibes, den Produzenten des Projekts “Deutschlands vergessene Kinder“. In diesem Interview spricht er über den Vorgänger, den Erfolg, das abgesagt Benefiz-Konzert und vieles mehr.
Deutschlands vergessene Kinder 2 – Amazon
Deutschlands vergessene Kinder 2 – Mzee
Deutschlands vergessene Kinder 2 – Wildstyleshop
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Wie ist es überhaupt zu dem „Deutschlands vergessene Kinder“-Projekt gekommen? Wer hatte diese Idee?
Die Idee kam uns, nachdem wir Ende 2007 Wolfgang Büscher, den Pressesprecher der ARCHE, in der ARD-Sendung „Maischberger“ gesehen hatten. Studiogast war u.a. Lady Bitch Ray. Im Verlauf der Diskussion ging es auch um den Einfluss von Rap-Musik auf Kinder und Jugendliche. In Gesprächen mit der ARCHE erfuhren wir, dass über 90 Prozent der Kids, die täglich die ARCHEN in Deutschland besuchen, Fans deutschsprachiger Rap-Musik sind. Die Erfahrung der Mitarbeiter zeigte aber auch, dass die Musik bestehende Defizite in den Familien verschlimmern kann – nicht muss, aber kann.
Daraus entstand die Idee, mit einem eigenen Workshop-Projekt, das sich aus dem Verkauf eines Soundtracks finanziert, zu helfen. Wir benutzen Hip Hop heute quasi als Schlüssel für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Konkret in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport. Die Rap- und Breakdance-Workshops sind im Moment am beliebtesten. Es geht uns um die Vermittlung von grundsätzlichen Werten wie Eigenverantwortung und Respekt, aber auch die Stärkung der eigenen Kreativität und das Aufzeigen von Stärken und Talenten. Denn die emotionale Armut ist ein oft nicht gesehenes Problem.
Wie erfolgreich war der erste Teil und seid ihr damit zufrieden?
Wir gehen auf 2000 verkaufte Exemplare zu, falls Du die genaue Zahl haben möchtest. Teil 1 verkauft sich nach wie vor. Es besteht nachhaltiges Interesse an dem Projekt, was uns sehr freut. Der Sampler wurde sowohl von der Presse, als auch den Hörern extrem gut aufgenommen und hat viel Unterstützung erfahren. Wir haben E-Mails von Eltern bekommen, die uns für die Zusammenstellung eines solchen Samplers gedankt haben. Manche haben uns geschrieben, dass sie selbst in jungen Jahren Armut in den unterschiedlichsten Ausprägungen durchleben mussten und sich freuen, dass dieses Thema nicht tabuisiert wird. Andere machen ihrem Verdruss über die Ungerechtigkeiten des Systems Luft. Schaut man sich die Zahlen für Deutschland an, merkt man wirklich, dass Armut in unserer Bevölkerung längst Alltag geworden ist.
Welche Erwartungen setzt ihr in den 2. Teil?
Sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf fließen wieder direkt in die Jugendarbeit. Jeder Cent kommt an. Qualitativ haben wir durch die strengere Auswahl nochmal gut einen oben drauf gesetzt. Wer sich jetzt schon Gedanken über ein passendes Geschenk zu Weihnachten – für sich, oder andere – macht, dem sei „Deutschlands vergessene Kinder 2“ sehr ans Herz gelegt. Wer etwas Gutes tun möchte und großartige Musik auf höchstem Niveau mag, der sollte den Sampler kaufen. Die Erwartung ist aber vor allem, noch mehr Menschen für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren.
Nach welchen Kriterien sucht ihr euch die Künstler heraus, die ihr auf dem Album haben wollt?
Ziel ist es immer eine große Bandbreite abzudecken, ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Sowohl in musikalischer Hinsicht, als auch vom Bekanntheitsgrad der Künstler her. Dass es ohne große Namen nicht geht ist klar, so ehrlich sollte man sein. Aber auch auf „DVK2“ sind wieder Künstler vertreten, von denen – zumindest wir – vorher nie gehört hatten. Auch Inhalt ist Trumpf. Von wirklich Gänsehaut erzeugenden Geschichten wie im Falle von Curse oder Harris, über direkte Ansprache der Hörer wie bei F.R. oder der Firma, bis hin zu fundierter Medien- und Politkritik wie bei Spax oder Pan & Artist ist die Spanne groß. Manche Songs wenden sich direkt an Kinder und Jugendliche, andere an ein älteres Publikum.
Wer ist auf die Idee mit den Skits gekommen, und dass man sie von den deutschen Synchronsprechern berühmter Stars sprechen lassen sollte?
Über die ARCHE sind wir mit Frau Margot Rothweiler in Kontakt gekommen, einer Berliner Theaterschauspielerin, die seit Jahrzehnten auf den Bühnen dieses Landes zuhause ist. Sie hat sich für unser Projekt interessiert. Wir haben sie dann zu einem Workshop-Tag mitgenommen und ihr alles erklärt. Ein Wort ergab das andere und schließlich stand die Idee im Raum. Die Synchronsprecherszene in Deutschland ist eng vernetzt, man kennt sich untereinander. Margot hat uns alle Kontakte zu den Künstlern und Agenturen besorgt und so kam es, dass heute quasi „Will Smith“ die Einleitung zu „Deutschlands vergessene Kinder 2“ ließt.
Woher habt ihr die Fakten für die Skits und wer hat diese Skits geschrieben?
Wir haben im Dreierteam diverse Studien recherchiert: Tina Dünkelmann, eine gute Freundin von uns, die lange Jahre stellvertretende Redaktionsleiterin bei KissFM war, dazu meine Kollegin Sonja und ich. Auch wenn wir im Zuge des ganzen Zahlen-Sumpfs oftmals beinahe den Sinn für reine Fakten verloren haben, wollten wir mit Unterstützung der prominenten Sprecher das Problem nachhaltig ins Bewusstsein rücken. Es ist erschütternd, wie viele Millionen Kinder und Jugendliche in einem eigentlich so reichen Land wie Deutschland von direkter Armut betroffen sind.
Könnt ihr uns nähere Informationen zum Multimedia-Workshop nennen? Wer leitet ihn, wer darf teilnehmen etc.
Jeder kann an jedem Workshop teilnehmen. Manche Kinder und Jugendliche sind immer dabei, andere wechseln gern durch und probieren alle Elemente mal aus. Der Multimedia- bzw. Produzenten-Workshop findet unregelmäßig statt. Die klassischen Hip Hop-Elemente sind eindeutig am beliebtesten.
Was sagst du dazu, dass ein Projekt wie das geplante Benefiz-Konzert ins Wasser fällt, aufgrund deutscher Bürokratie?
Nicht viel, die Situation ist einfach nur ein Trauerspiel. Eine riesige Spendensumme ging dadurch verloren. Uns wurde angeboten einen Teil des Bookings zu übernehmen, was wir nicht nur aufgrund der anstehenden VÖ natürlich gern gemacht haben. Abgesehen davon, dass man nie zuvor soviele deutscher Rapper vorm Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen überhaupt in Deutschland, hätte performen sehen, konnten wohltätige Einrichtungen nicht unterstützt werden. In jeder Hinsicht ist das eine mehr als enttäuschende Geschichte.
Brainstorming:
- Vergessene Kinder in Deutschland
Überall in Deutschland gibt es vergessene Kinder, nicht nur in armen Familien. Während der Workshops führen wir auch Einzelgespräche, in denen uns Schicksale begegnen, die kein junger Mensch erleben sollte. Man kann sich vage vorstellen, was aus Kindern wird, denen es schon in jungen Jahren an Liebe und Zuneigung fehlt. Wenn neben dem Gefühl – eine Belastung zu sein, auch noch die Bildung auf der Strecke bleibt, worauf sollen Kinder dann später einmal aufbauen? Ich zitiere gern aus dem Song von Spax: „Ich seh´ die Chancen für Veränderung in unseren Kindern / sie sind morgen Politiker, Kritiker oder Erfinder“.
- Arche
Wir haben große Hochachtung vor der Leistung der vielen Frauen und Männern, die sich in den verschiedenen ARCHEN in Deutschland darum kümmern, dass diese Kinder nicht verloren gehen. Wenn man so will, ist die ARCHE eine traurige Erfolgsgeschichte. Die ARCHE sagt selbst, dass ihr Erfolg auf dem Misserfolg der Gesellschaft beruht.
- polit. HipHop
Politische Rap-Musik in Deutschland hatte Mitte der Neunziger eine Blütezeit, als Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diskriminierung in den USA in der Musik allgegenwärtig waren. Die Themen sind heute nicht verschwunden, aber die Musik bzw. der Markt für die Musik. Viele sozialkritische Songs schrammen nur noch an der Oberfläche. Dafür vergessen Künstler mit politischem Interesse, dass man erstmal öffentlich ein Thema setzen muss, um überhaupt gehört zu werden.
Dieses radikale Element von damals ist fast vollständig aus den Liedern verschwunden. In die Lücke sind innere Debatten um Nonsens getreten, die nicht nur der Musik die Energie nehmen, sondern auch von den wirklichen Themen ablenken. Manch einem kann das wiederum nur recht sein. Diese Entwicklung wurde auch industriell gesteuert.
Die Rap-Musik, die heute laut genug ist- um gehört zu werden, ist leider oft dämlich. Oder um einen Schritt tiefer zu gehen: An Themen mangelt es am allerwenigsten. Private Unternehmen sponsern heute ganze Bundesministerien, scheinbar neutrale Experten in Talkshows arbeiten für Versicherungsanstalten und auf einen Abgeordneten im Bundestag kommen vier Lobbyisten. Wer einmal am Tag Blogs wie www.nachdenkseiten.de besucht, weiß wie es wirklich um die Demokratie in diesem Land bestellt ist.
Stattdessen verinnerlichen viele Menschen Sprüche wie „Sozial ist was Arbeit schafft“, ohne das zu hinterfragen. Ohne sich klar zu machen, was das nicht nur für ihr eigenes Leben bedeutet. Ohne sich vor Augen zu führen auf welche Gesellschaft wir inzwischen zusteuern. Viele Fragen lassen sich bereits mit der Suche nach den Profiteuren beantworten.
In harten Zeiten ist eher Musik angesagt, die einen von den Alltagsproblemen ablenkt. Das verhindert wiederum, dass man sich mit wirklich wichtigen Dingen auseinandersetzt. Rap ist nach wie vor Sprachrohr, aber bei weitem nicht das, das es sein könnte.
- The BlogParty
Ich bin ein Freund des Web 2.0/3.0, das uns großartige Möglichkeiten bietet, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Projekte wie die BlogParty verdienen Unterstützung und sind eine logische, als auch sinnvolle Folge des stetig wachsenden Dschungels an Content. Aus journalistischer Sicht wünsche ich mir allgemein aber eine viel kritischere Berichterstattung. Selbst, oder vielleicht gerade, weil es oftmals heißt, Musik sei nur Entertainment. Gerade Blogger könnten da unabhängiger scheiben, weil sie nicht an die festgefahrenen Strukturen klassischer Medien gebunden sind.
- Deutschlands vergessene Kinder 3
Ist noch ganz weit von uns entfernt…und nicht unbedingt von uns abhängig. Insofern: „Deutschlands vergessene Kinder 2“ kommt am 20.11.2009 in den Handel – 20 brandneue Songs, 11 prominente Skits. Vorbestellen kann man den Soundtrack jetzt schon bei Amazon, MZEE, Wildstyle und diversen anderen Shops.
Wie ist es überhaupt zu dem „Deutschlands vergessene Kinder“-Projekt gekommen? Wer hatte diese Idee?
Die Idee kam uns, nachdem wir Ende 2007 Wolfgang Büscher, den Pressesprecher der ARCHE, in der ARD-Sendung „Maischberger“ gesehen hatten. Studiogast war u.a. Lady Bitch Ray. Im Verlauf der Diskussion ging es auch um den Einfluss von Rap-Musik auf Kinder und Jugendliche. In Gesprächen mit der ARCHE erfuhren wir, dass über 90 Prozent der Kids, die täglich die ARCHEN in Deutschland besuchen, Fans deutschsprachiger Rap-Musik sind. Die Erfahrung der Mitarbeiter zeigte aber auch, dass die Musik bestehende Defizite in den Familien verschlimmern kann – nicht muss, aber kann.
Daraus entstand die Idee, mit einem eigenen Workshop-Projekt, das sich aus dem Verkauf eines Soundtracks finanziert, zu helfen. Wir benutzen Hip Hop heute quasi als Schlüssel für die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen. Konkret in den Bereichen Kunst, Kultur und Sport. Die Rap- und Breakdance-Workshops sind im Moment am beliebtesten. Es geht uns um die Vermittlung von grundsätzlichen Werten wie Eigenverantwortung und Respekt, aber auch die Stärkung der eigenen Kreativität und das Aufzeigen von Stärken und Talenten. Denn die emotionale Armut ist ein oft nicht gesehenes Problem.
Wie erfolgreich war der erste Teil und seid ihr damit zufrieden?
Wir gehen auf 2000 verkaufte Exemplare zu, falls Du die genaue Zahl haben möchtest. Teil 1 verkauft sich nach wie vor. Es besteht nachhaltiges Interesse an dem Projekt, was uns sehr freut. Der Sampler wurde sowohl von der Presse, als auch den Hörern extrem gut aufgenommen und hat viel Unterstützung erfahren. Wir haben E-Mails von Eltern bekommen, die uns für die Zusammenstellung eines solchen Samplers gedankt haben. Manche haben uns geschrieben, dass sie selbst in jungen Jahren Armut in den unterschiedlichsten Ausprägungen durchleben mussten und sich freuen, dass dieses Thema nicht tabuisiert wird. Andere machen ihrem Verdruss über die Ungerechtigkeiten des Systems Luft. Schaut man sich die Zahlen für Deutschland an, merkt man wirklich, dass Armut in unserer Bevölkerung längst Alltag geworden ist.
Welche Erwartungen setzt ihr in den 2. Teil?
Sämtliche Einnahmen aus dem Verkauf fließen wieder direkt in die Jugendarbeit. Jeder Cent kommt an. Qualitativ haben wir durch die strengere Auswahl nochmal gut einen oben drauf gesetzt. Wer sich jetzt schon Gedanken über ein passendes Geschenk zu Weihnachten – für sich, oder andere – macht, dem sei „Deutschlands vergessene Kinder 2“ sehr ans Herz gelegt. Wer etwas Gutes tun möchte und großartige Musik auf höchstem Niveau mag, der sollte den Sampler kaufen. Die Erwartung ist aber vor allem, noch mehr Menschen für das Thema Kinderarmut zu sensibilisieren.
Nach welchen Kriterien sucht ihr euch die Künstler heraus, die ihr auf dem Album haben wollt?
Ziel ist es immer eine große Bandbreite abzudecken, ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Sowohl in musikalischer Hinsicht, als auch vom Bekanntheitsgrad der Künstler her. Dass es ohne große Namen nicht geht ist klar, so ehrlich sollte man sein. Aber auch auf „DVK2“ sind wieder Künstler vertreten, von denen – zumindest wir – vorher nie gehört hatten. Auch Inhalt ist Trumpf. Von wirklich Gänsehaut erzeugenden Geschichten wie im Falle von Curse oder Harris, über direkte Ansprache der Hörer wie bei F.R. oder der Firma, bis hin zu fundierter Medien- und Politkritik wie bei Spax oder Pan & Artist ist die Spanne groß. Manche Songs wenden sich direkt an Kinder und Jugendliche, andere an ein älteres Publikum.
Wer ist auf die Idee mit den Skits gekommen, und dass man sie von den deutschen Synchronsprechern berühmter Stars sprechen lassen sollte?
Über die ARCHE sind wir mit Frau Margot Rothweiler in Kontakt gekommen, einer Berliner Theaterschauspielerin, die seit Jahrzehnten auf den Bühnen dieses Landes zuhause ist. Sie hat sich für unser Projekt interessiert. Wir haben sie dann zu einem Workshop-Tag mitgenommen und ihr alles erklärt. Ein Wort ergab das andere und schließlich stand die Idee im Raum. Die Synchronsprecherszene in Deutschland ist eng vernetzt, man kennt sich untereinander. Margot hat uns alle Kontakte zu den Künstlern und Agenturen besorgt und so kam es, dass heute quasi „Will Smith“ die Einleitung zu „Deutschlands vergessene Kinder 2“ ließt.
Woher habt ihr die Fakten für die Skits und wer hat diese Skits geschrieben?
Wir haben im Dreierteam diverse Studien recherchiert: Tina Dünkelmann, eine gute Freundin von uns, die lange Jahre stellvertretende Redaktionsleiterin bei KissFM war, dazu meine Kollegin Sonja und ich. Auch wenn wir im Zuge des ganzen Zahlen-Sumpfs oftmals beinahe den Sinn für reine Fakten verloren haben, wollten wir mit Unterstützung der prominenten Sprecher das Problem nachhaltig ins Bewusstsein rücken. Es ist erschütternd, wie viele Millionen Kinder und Jugendliche in einem eigentlich so reichen Land wie Deutschland von direkter Armut betroffen sind.
Könnt ihr uns nähere Informationen zum Multimedia-Workshop nennen? Wer leitet ihn, wer darf teilnehmen etc.
Jeder kann an jedem Workshop teilnehmen. Manche Kinder und Jugendliche sind immer dabei, andere wechseln gern durch und probieren alle Elemente mal aus. Der Multimedia- bzw. Produzenten-Workshop findet unregelmäßig statt. Die klassischen Hip Hop-Elemente sind eindeutig am beliebtesten.
Was sagst du dazu, dass ein Projekt wie das geplante Benefiz-Konzert ins Wasser fällt, aufgrund deutscher Bürokratie?
Nicht viel, die Situation ist einfach nur ein Trauerspiel. Eine riesige Spendensumme ging dadurch verloren. Uns wurde angeboten einen Teil des Bookings zu übernehmen, was wir nicht nur aufgrund der anstehenden VÖ natürlich gern gemacht haben. Abgesehen davon, dass man nie zuvor soviele deutscher Rapper vorm Brandenburger Tor, dem Wahrzeichen überhaupt in Deutschland, hätte performen sehen, konnten wohltätige Einrichtungen nicht unterstützt werden. In jeder Hinsicht ist das eine mehr als enttäuschende Geschichte.
Brainstorming:
- Vergessene Kinder in Deutschland
Überall in Deutschland gibt es vergessene Kinder, nicht nur in armen Familien. Während der Workshops führen wir auch Einzelgespräche, in denen uns Schicksale begegnen, die kein junger Mensch erleben sollte. Man kann sich vage vorstellen, was aus Kindern wird, denen es schon in jungen Jahren an Liebe und Zuneigung fehlt. Wenn neben dem Gefühl – eine Belastung zu sein, auch noch die Bildung auf der Strecke bleibt, worauf sollen Kinder dann später einmal aufbauen? Ich zitiere gern aus dem Song von Spax: „Ich seh´ die Chancen für Veränderung in unseren Kindern / sie sind morgen Politiker, Kritiker oder Erfinder“.
- Arche
Wir haben große Hochachtung vor der Leistung der vielen Frauen und Männern, die sich in den verschiedenen ARCHEN in Deutschland darum kümmern, dass diese Kinder nicht verloren gehen. Wenn man so will, ist die ARCHE eine traurige Erfolgsgeschichte. Die ARCHE sagt selbst, dass ihr Erfolg auf dem Misserfolg der Gesellschaft beruht.
- polit. HipHop
Politische Rap-Musik in Deutschland hatte Mitte der Neunziger eine Blütezeit, als Themen wie soziale Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Diskriminierung in den USA in der Musik allgegenwärtig waren. Die Themen sind heute nicht verschwunden, aber die Musik bzw. der Markt für die Musik. Viele sozialkritische Songs schrammen nur noch an der Oberfläche. Dafür vergessen Künstler mit politischem Interesse, dass man erstmal öffentlich ein Thema setzen muss, um überhaupt gehört zu werden.
Dieses radikale Element von damals ist fast vollständig aus den Liedern verschwunden. In die Lücke sind innere Debatten um Nonsens getreten, die nicht nur der Musik die Energie nehmen, sondern auch von den wirklichen Themen ablenken. Manch einem kann das wiederum nur recht sein. Diese Entwicklung wurde auch industriell gesteuert.
Die Rap-Musik, die heute laut genug ist- um gehört zu werden, ist leider oft dämlich. Oder um einen Schritt tiefer zu gehen: An Themen mangelt es am allerwenigsten. Private Unternehmen sponsern heute ganze Bundesministerien, scheinbar neutrale Experten in Talkshows arbeiten für Versicherungsanstalten und auf einen Abgeordneten im Bundestag kommen vier Lobbyisten. Wer einmal am Tag Blogs wie www.nachdenkseiten.de besucht, weiß wie es wirklich um die Demokratie in diesem Land bestellt ist.
Stattdessen verinnerlichen viele Menschen Sprüche wie „Sozial ist was Arbeit schafft“, ohne das zu hinterfragen. Ohne sich klar zu machen, was das nicht nur für ihr eigenes Leben bedeutet. Ohne sich vor Augen zu führen auf welche Gesellschaft wir inzwischen zusteuern. Viele Fragen lassen sich bereits mit der Suche nach den Profiteuren beantworten.
In harten Zeiten ist eher Musik angesagt, die einen von den Alltagsproblemen ablenkt. Das verhindert wiederum, dass man sich mit wirklich wichtigen Dingen auseinandersetzt. Rap ist nach wie vor Sprachrohr, aber bei weitem nicht das, das es sein könnte.
- The BlogParty
Ich bin ein Freund des Web 2.0/3.0, das uns großartige Möglichkeiten bietet, aber auch Herausforderungen mit sich bringt. Projekte wie die BlogParty verdienen Unterstützung und sind eine logische, als auch sinnvolle Folge des stetig wachsenden Dschungels an Content. Aus journalistischer Sicht wünsche ich mir allgemein aber eine viel kritischere Berichterstattung. Selbst, oder vielleicht gerade, weil es oftmals heißt, Musik sei nur Entertainment. Gerade Blogger könnten da unabhängiger scheiben, weil sie nicht an die festgefahrenen Strukturen klassischer Medien gebunden sind.
- Deutschlands vergessene Kinder 3
Ist noch ganz weit von uns entfernt…und nicht unbedingt von uns abhängig. Insofern: „Deutschlands vergessene Kinder 2“ kommt am 20.11.2009 in den Handel – 20 brandneue Songs, 11 prominente Skits. Vorbestellen kann man den Soundtrack jetzt schon bei Amazon, MZEE, Wildstyle und diversen anderen Shops.


