Cutheta im Interview
Hallo Freunde,
hier das nächste feine Interview auf JD’s Rap Blog. Diesmal stand Ausnahmeproduzent Cutheta Rede und Antwort. Themen die Produzentenszene, das Web 2.0, kommende Projekte und natürlich das kommende Cutheta Produceralbum und die Zusammenarbeit mit den Künstlern.
Hallo Cutheta. Erstmal ein riesen Dank dass du dir Zeit für das Interview genommen hast.
Freut mich ebenfalls!
Vor einiger Zeit konnte man dir bei Rooq TV Fragen stellen und dich ein wenig kennen lernen. Wäre dennoch nett, wenn du dich kurz für die Leser vorstellen könntest.
Ich komme aus Paderborn, bin 27 Jahre jung und produziere seit 1998. Davor habe ich bereits in einigen Bands gespielt sowie diverse Instrumente erlernt. Seit knapp 2 Jahren betreibe ich mit meinem Geschäftspartner ein professionelles Tonstudio in Paderborn in dem wir zuletzt u.a. die Juice EP von Savas sowie John Bello 3 produziert haben. Einen Eindruck davon findet ihr unter www.cupofmusic.de. Außerdem bin ich als Live Engineer tätig, d.h. ich mische den Live-Sound auf Events und Tourneen und bin dort für den reibungslosen technischen Ablauf auf Sound Ebene verantwortlich Privat reise ich gerne und bin schon irgendwo ein Klamotten und Sneaker Nerd;-)
Nun sind sieben Teile der Making of Reihe zu deinem Produzenten-Album online. Was kannst du zu diesem Album schon sagen? Welche Künstler werden darauf vertreten sein und kannst du schon einen ungefähren Releasezeitraum nennen?
Das Releasedate in meinem Kopf ist Herbst / Winter 2010, allerdings spielen da immer auch ein paar externe Faktoren eine Rolle. Ich bin also schon davon abhängig wie schnell die Künstler ihre Songs schicken, sofern wir sie nicht bei mir aufnehmen und wie schnell die Promotionplanung und die Labelsuche ablaufen. Ich möchte das Album allerdings schon bewusst in dieser Jahreszeit releasen weil es durchweg einen deepen, eher nachdenklichen Sound hat. Das wäre im Sommer nicht so cool….
Drauf sind die Leute die ich bisher auch in meinen Making ofs habe: Animus, Abroo, Savas, Erc, Vega, Lemonia,Bastian Fleig, Damion Davis, Manuellsen, Phreaky Flave Cassandra Steen, Lemonia usw. Als einzige „Newcomer“ wenn man so will, habe ich Timecy sowie Maxat und Fist drauf. Bekanntere Namen kommen ebenfalls noch dazu, allerdings will ich hier noch keine Namen droppen falls hinterher ein Song doch nicht zustande kommt bzw. auch nicht um die Spannung zu nehmen;-) Einen verrat ich aber doch schon. F.R. natürlich, einer der Künstler mit dem ich vor allem live mit am längsten zusammen arbeite (seit seinem 13. Lebensjahr)
Beschreib doch bitte die Arbeitsweise für das Produzentenalbum. Wie lief das bisher? Einfach mehrere Wochen am Stück dran gearbeitet und Leute ins Studio eingeladen oder eher Stück für Stück und auf einen längeren Zeitraum verteilt?
Dadurch dass ich einfach auch sehr viele andere Sachen um die Ohren hatte und habe verlief das ganze teilweise sehr schleppend und unorganisiert. Ich habe mir da aber auch bewusst keinen Druck gemacht. Selbst die Songs die vor über einem Jahr entstanden sind, sind in meinen Augen immer noch heißer Scheiß und spiegeln den jeweiligen Künstler gut wieder.
Teils sind die Songs bei mir im Studio entstanden, teils haben die Jungs ihre Spuren geschickt.
An welchen Dingen arbeitest du neben dem Album? Wird man Cutheta Beats in nächster Zeit auch auf weiteren Releases zu hören bekommen?
Auf dem kommenden John Bello 3 (Essah Edition) wird ein Beat von mir bei sein, ansonsten werde ich jetzt erstmal die Konzentration auf mein Album legen und gleichzeitig viel neuen Stuff produzieren. Es sind einige Produktionen in Pools verschiedener Künstler allerdings ist dort noch nichts bestätigt.
Du arbeitest auf deinem Album mit Kool Savas, Ercandize, Vega und vielen weiteren Rap-Größen. Hast du dir damit stückweit einen Traum erfüllt oder gibt es andere Traumkünstler für die du mal produzieren möchtest?
Ich sehe das Ganze nicht so von der Fan Seite was wahrscheinlich auch gut ist, da es sonst für die Leute nicht tragbar wäre mit mir zu arbeiten
Dieses Fan Sein habe ich bereits lange verloren durch viele Live Gigs und einige Touren. Trotzdem geht man manchmal in sich und macht sich natürlich auch bewusst wie man den und den Künstler damals gefeiert hat und dass man jetzt mit ihm arbeitet. Ich führe so was aber immer eher auf kontinuierliches Arbeiten und Weiterentwickeln zurück und nicht so krass auf Träume Visionen und Glück. Vielleicht ist es von allem ein Bisschen. Ich bin mir aber schon im Klaren dass es ein Privileg ist, auf einem bestimmten Level Musik machen zu dürfen und damit auch Geld verdienen zu können.
Leider gibt es viel zu viele Leute die immer nur noch mehr wollen und jammern anstatt sich dieses Privileg bewusst zu machen. Hunger ist gut aber man darf dabei nicht die Realität aus den Augen verlieren. Es gibt Jobs wo man in der Stunde 500 Euro verdient ich bin aber auch noch in der Lage für 8 Euro die Stunde zu arbeiten. Beides hat was.
Traumkünstler habe ich immer die, die ich noch nicht auf meiner Credit Liste habe und die mich irgendwo geprägt haben: Xavier, Samy, Azad und J Luv auf jeden Fall
Wie siehst du die Produzenten-Szene in Deutschland? Bekommen Produzenten in Deutschland zu wenig Aufmerksamkeit oder bist du zufrieden mit der Szene?
Das Ding ist dass viele Produzenten auch nicht so die Typen sind die sich immer in den Vordergrund spielen oder einen raushängen lassen müssen. Daher kommt das schon so rüber. Diejenigen die Aufmerksamkeit wollen bekommen auf jeden Fall alles was der Rapper oder ausführende Künstler auch bekommt. Dass er auf der Straße nicht erkannt wird oder die 12 jährigen Bravo Leser über den Produzenten sprechen liegt denke ich in der Natur der Sache. Aus seinem Sound wirklich eine eigene Marke zu machen und das Ganze so zu hypen ist wohl bis jetzt noch den Amis vorbehalten ich bin auch gespannt wer der erste Deutsche sein wird, der dass schafft.
Wie schon erwähnt konnte man dich vor einiger Zeit bei Rooq TV sehen. Hältst du engen Kontakt zu anderen Produzenten? Tauscht man sich da häufig über die Musik des Anderen aus oder kocht quasi jeder sein eigenes Süppchen?
Mit einigen halte ich schon Kontakt und einige feier ich auch sehr, selbst Leute wo ich den Sound aber nicht mag sind teils menschlich super korrekt. Neid, Haterei und Missgunst nehme ich unter Produzenten eigentlich wenig war. Vielleicht Geschieht so was hinterrücks, dass man sagt ich find die Beats von dem und dem scheiße aber generell würde da glaube ich nie ein öffentlicher Beef draus entstehen. Es ist ja auch immer Geschmackssache, Fakt ist ja, dass alle bekannteren Producer schon ihre Daseinsberechtigung haben und wissen wie man produziert. Wie jetzt die Drums klingen, ob er viel Synthis benutzt, ob er poppig oder old school produziert ist ja alles Geschmackssache.
Wie siehst du derzeit die Rap-Szene in Deutschland mit Atzen-Party-Rap, Entertainment-Rap (u.a. Orsons), Gangster-Rap, Straßenrap oder dem einfachen Battle-Rap?
Einerseits gut andererseits schrecklich. Ich würde jetzt nicht den Messias spielen und sagen das ist unwahrscheinlich toll für Rap weil die Leute wissen was Rap ist usw… Jeder Mensch weiß heute was Rapmusik ist, es ist halt nicht mehr dies Undergroundding was pro Stadt 30 Leute feiern sondern Mainstream. An sich doch eine coole Entwicklung und das was man immer wollte. Dass daraus auch viel Scheiße entsteht ist ja ganz normal wie bei allen Sachen die schnell gewachsen sind und es ist auf jeden Fall Zeitverschwendung sich über so etwas aufzuregen. Die Leute sollten einfach das supporten und feiern was sie geil finden anstatt sich über das aufzuregen was sie Scheiße finden. Man muss das Mal übertragen: Wenn ich n Mercedes geil finde dann geh ich doch auch nicht zu Ford, Toyota, Mazda, VW und sag den allen wie scheiße ihre Autos sind. Man merkt an solchen Vergleichen immer ein Bisschen wie gestört und engstirnig diese Szene teils ist. Aber auch nur teils…Back 2 Topic: Atzen Rap finde ich an sich cool, auch wenn ich immer bescheuertere Leute sehe die das Movement feiern. Das nimmt einem dann schon die Lust dass zu hören wenn der Vorzeige Mallorca Prolet das am Wochenende in seinem tiefergelegten Golf 2 hört. Orsons usw kann ich mir gar nicht geben, sind aber privat super nette Jungs, mit Meckes z.b. würde ich auch super gerne mal eine deepere Solo Nummer machen. Gangsterrap ist in meinen Augen schon lange tot, Streetrap der authentisch ist hat allerdings nach wie vor sehr viel Potential weil sich einfach eine breite Masse damit indentifizieren kann ohne sich dabei behindert vorzukommen.
Heut zu Tage ist es schwer mit Musik Geld zu verdienen und davon leben zu können. Wie sieht es da bei dir aus?
Ich kenne viele Leute die von Musik leben aber wenige die von Rap leben. So ist es bei mir auch. Da wir im Studio sämtliche Genres und auch Werbe, Filmmusiken, Hörbücher usw anbieten und ich ja auch live unterwegs bin geht das klar. Nur von Rap leben zu wollen ist allerdings eine Illusion, da kann man auch gleich Lotto spielen. Sowieso sind die Leute zum scheitern verurteilt die wegen Geld anfangen Musik zu machen. Keiner der Leute die ich kenne die ihr Cash gemacht haben, haben deswegen angefangen. Mir persönlich wäre auch der Druck viel zu groß wenn ich sagen würde ich mache jetzt nur Beats und muss davon leben oder ich richte mein Leben vollkommen darauf aus. Bei Rappern kann ich so was noch eher verstehen als bei den Leuten die drum herum arbeiten. Ich genieße es auch mal unter anderen Leuten zu sein die nicht über Musik reden oder auch anderen Tätigkeiten nachzugehen. Erst durch so was kriegt man wieder richtig Bock auf Mucke.
Mit JD’s Rap Blog versuche ich seit einer Weile gute Newcomern zu supporten. Arbeitest du auch eng mit Newcomern zusammen und hast du vielleicht sogar welche auf deinem neuen Album?
Wie schon erwähnt habe ich so gesehen 3 Newcomer auf meinem Album.
Timecy hatte bereits über Rec.on ein Solo Album mit Gästen wie Amaris, F.R. und Damion Davis und hatte auch gute Produzenten wie Brisk oder Yourz an Bord. Maxat kennen sicher einige aus der „Optik Russia“ Ecke, er ist Russe hat aber für mein Album einen Song auf deutsch zusammen mit Fist aufgenommen. Das wären die drei. Ansonsten würde ich gerne viel öfter Ausschau halten, leider fehlen einem oft die Zeit dazu und auch der Nerv weil es einfach auch soooo viel Scheiße gibt. Ein Newcomer namens „ K Fly „ fand ich bzw. finde ich ganz gut, ihm hat ich auch letztens noch so einen Beat gegeben weil ich die Sachen cool fand.
Die Blogger-Szene in Deutschland ist mittlerweile riesig, was hältst du davon? Oder bist du Jemand der sich von der Internetwelt so gut es geht fernhält?
Also ich lese ein paar Blogs aber habe keinen eigenen. Ich bin halt bei Twitter was ich cool finde auf jeden Fall, Myspace was bald im neuen Design glänzen wird und bei Studi VZ . Das waren meine Web 2.0 Aktivitäten viele sagen ich soll zu Facebook noch.
Zu guter Letzt kommen wir zum typischen Brainstorming:
Twitter – eigentlich sinnlos aber cool für die 10 Minuten zwischendurch und auch ein cooles Promotool
JD’s Rap Blog – kenn ich noch nicht wirklich aber ich wird ihn mir reinzieh versprochen
Paderborn – eine gar nicht so hässliche und ätzende Stadt wie viele denken mit wirklich vielen guten aber leider absolut unbekannten Rappern. Es gibt aber auch schönere Städte so ist es nich;-) Platz 1: Hamburg, Platz 2: Frankfurt aM Platz 3: Berlin
Zukunft des Raps – F.R. / vielleicht Casper / grob gesagt derjenige der es als nächstes schafft eine komplett eigene Sparte für sich zu entdecken und diese auf allen Ebenen ausmelkt.
Er muss halt auf Platte fesseln, live berühren können und gleichzeitig ein medienwirksammer, interessanter Dude sein…
Lieblingsalbum – Im Moment: Da Youngstas – I´ll make you famous
Ansonsten Rap: 1.Nas – Illmatic /2. GangStarr – Moment of Truh /3.Wu Tang – EnterTHEwu
Non Rap: 1. Guns n Roses. Use Your Illusion 1&2 / 2. Oasis – Definetly Maybe / 3. Nirvana – Nevermind
Nochmals Danke für das Interview und natürlich gehören die letzten Worte dir.
Ich grüße alle Supporter die sich dieses Interview gegeben haben und Interesse an meinen Produktionen haben. Es ist eine Ehre und etwas besonderes für mich, die Emotionen die ich während der Produktionen der Songs für mein Produzenten Album hatte, mit möglichst vielen Hörern teilen zu können, daher freue ich mich wenn ihr am Ball bleibt, die Making ofs weiterhin auscheckt und die dann erscheinende Platte supportet.
Supportet Rap, supportet echte Künstler und sorgt somit dafür dass Musik und Kunst am Leben bleiben. Und freut euch über die Sachen die euch begeistern anstatt euch über das aufzuregen was euch abfuckt, gar nicht mal nur auf Musik bezogen…


















Februar 17th, 2010 at 22:17
[...] Auf JD’s Rap Blog weiterlesen [...]
Februar 18th, 2010 at 16:21
Sehr sympathisch!
Februar 18th, 2010 at 23:30
[...] Übrigens sieht man auch am Anfang kurz meinen letzten Interviewpartner, den Ausnahmerproducer Cutheta. Natürlich findet ihr auf JD’s Rap Blog auch Cover, Tracklist, Releasedate und News zur [...]
März 3rd, 2010 at 12:02
[...] Interviews, etwas abseits von den Standardfragen waren immer schon mein Ding. Im Februar wurde der Produzent “Cutheta” ausführlich befragt. Nachlesen und für gut [...]