Schlechte Menschen im Interview

von unter Interview, Specials.

Hallo Freunde,

Schlechte Menschen veröffentlichen am vergangenen Freitag ihr erstes gemeinsames Album. Nun stehen sie in einem Interview mit mir Rede und Antwort. Wir sprechen über Zukunftspläne, das Album, illegale Downloads und vieles mehr. Viel Spaß! Supportet gute Musik!

[ad]

DOWNLOAD – Schlechte Menschen Album

Hallo ihr Beiden, erstmal Danke für das Interview und dass ihr euch Zeit genommen habt.

P.r.z.: Ja.

Am 19.03.2010 erschien das erste Schlechte Menschen Album. Wie sieht das Feedback aus und seid ihr zufrieden?

Ahzumjot: Ich bin selbst ein wenig überrascht. Bei der Produktion des Albums saß ich teilweise hier mit P.r.z. Und dachte darüber nach, was wir da eigentlich genau tun.

P.r.z.: Zwischenzeitlich taten sich nicht direkt Zweifel auf, aber man dachte schon darüber nach, ob man sowas den menschlichen Ohren zutrauen kann. Laut Recherchen seien diese nämlich äußerst intolerant.

Wieso nennen sich gute Menschen „Schlechte Menschen“?

Ahzumjot: Bordcomputer, gib ihm.

Bordcomputer: Den Titel „Schlechte Menschen“ erhielten die beiden Yayoner bereits nach der Ankunft, da sie nicht dem menschlichen Ideal entsprachen und so als „schlecht“ gelten.

P.r.z.: Fast wie Homosexuelle.

Was macht eurer Meinung nach das Album aus? Was hebt es von der Masse ab?

P.r.z.: Nichts. Wir haben an sich ja versucht wie der Mensch zu sein. Irgendwie scheiterten wir bei dem Versuch und das Album entstand.

Ahzumjot: Dabei kamen ja die dümmsten Songs zustande. Man achte auf die Beats, die teilweise lediglich aus Kickdrums bestehen, die Texte, die manchmal bewusst nicht perfekt geflowt oder gereimt sind, die Ideen, die keine sind oder einfach schon die Songtitel, die selten den Inhalt des Songs wiedergeben. Eigentlich eine Zumutung.

Kurz zum Thema Features, kay, FiST, Rockstah und Vasee sind drauf. Wie kam es zu diesen Gastbeiträgen und wieso gerade diese?

Ahzumjot: Rockstah war eigentlich von Anfang an geplant. Recherchen zufolge und einige gute Quellen auf unserem Heimatplaneten Yayo berichteten uns, dass Rockstah der kredibilste Rapper Deutschlands sei.

P.r.z.: Irgendjemand sprach vom deutschen „The Game“… wir haben es nicht verstanden.

Ahzumjot: Auf einem kurzen Ausflug nach Frankfurt zum Time2Bomb-Festival lernte ich kay kennen und beschloss dann auch mit ihm im Gepäck die Welt zu retten.

P.r.z.: FiST hat uns mit seiner immens großen Faust bedroht. Friedlich und diplomatisch wie wir sind haben wir nachgegeben. Und Vasee sollte das Album letztendlich neben den schrägen Frequenzen doch noch genießbar machen.

Ahzumjot: Mir persönlich war die Zusammenarbeit mit Vasee auch sehr wichtig, da er ja bereits mit meinem Wirt… ähm… mit mir einen Song gemacht hat vor ca. 2-3 Jahren. Vielleicht erinnert man sich ja noch.

Im Rap gibt es immer mehr verschiedene Lager, einen Savas, der den kompletten Rap-Film fährt, die Orsons mit Entertainment-Rap, Atzen/Party-Rap, Gangsterrap uvm. Was haltet ihr von der aktuellen Entwicklung und wo würdet ihr euch eingliedern?

Ahzumjot: Ich persönlich finde diese Entwicklung wahnsinnig wichtig und vor allem fortschrittlich für den deutschen Rap. Gäbe es keine Alternative zu dem bis vor ca. 1 Jahr noch alles regierenden Gangsterrap, würde man sich irgendwann auch nur noch langweilen. Die Verkäufe von denen gehen ja sowieso schon zurück und der – wie du bereits erwähnt hattest – Atzen-Rap steht gerade verdient ganz oben in den Charts. Rap wird zwar kommerzieller, aber dadurch auch interessanter geworden und gibt durch den neuen Trend den Anreiz mal etwas Neues zu versuchen. Vor allem für uns Newcomer.

P.r.z.: Eingliedern klingt immer so nach Schublade. Wenn man so Songs wie „Caddy“ oder „Damenfahrrad“ betrachtet, würde ich sagen, dass wir Rapper sind. Bei „Ich & Du“ oder „Wie viel kostet deine Mutter?“ haben wir zwar diese trendige Variante gewählt auf Electro-Beats zu musizieren… nur halt nicht wirklich gerappt.

Ahzumjot: Eher geschrien oder geredet.

P.r.z.: Hört man aber Songs wie „Hadouken“ oder „Hier um die Welt zu retten“ geht z.B. eher in die Entertainment-Richtung. Man kann es eigentlich schwer definieren, was wir da eigentlich machen. Ob wir da überhaupt Musik machen.

Wie darf man sich die Entstehung eines Schlechte Menschen Song vorstellen? Zusammen im Studio sitzen, Beide feilen an Texten und picken Beats oder macht ihr das vollkommen getrennt und werft es zusammen?

Ahzumjot: Bei diesem Album sollte eigentlich ich alles produzieren. Sam Exzellent hat uns nur vor langer Zeit den Beat zu „Lasst uns diese Welt zerstören“ gegeben, wir haben etwas darauf gemacht und es sollte auf das Mixtape im vergangenen Jahr kommen. War dafür dann jedoch zu gut und irgendwie extrem passend für das Album. Levon Supreme spielt halt seit 13 Jahren Klavier und hat einfach ein besseres musikalisches Verständnis, was wir für „<3“ brauchten. Also entstehen die Beats bei mir daheim. Ich mache sie, zeige alle P.r.z., aber weiß eigentlich immer genau, was er feiern wird. Die dummen Beats.

P.r.z.: Schnauze!

(Einige Sekunden Stille)

P.r.z.: Also typische „Jeder schreibt einen 16er“-Texte entstehen meistens getrennt. Einer schreibt dann immer vorher, zeigt dem anderen den Part und man orientiert sich daran. Die Ideen und Hooks entstehen eigentlich immer zusammen…

Ahzumjot: Bei einer guten Shisha.

P.r.z.: Schnauze! Die ist schlecht! Viele Texte entstehen aber vollkommen zusammen. Eigentlich die meisten. Das Abmischen wiederrum geschieht immer direkt nach der Aufnahme, was dann Ahzumjot übernimmt.

Ahzumjot: Nur werde ich nach 4 Stunden meistens wahnsinnig und höre nicht mehr raus, wenn etwas besser klingen könnte. Entweder macht man da lieber an einem anderen Tag weiter oder es ist halt P.r.z. Ja die ganze Zeit dabei und leiht mir dann sein Ohr.

Wie sieht die Zukunft der Schlechten Menschen aus? Neues Album oder erstmal Pause?

P.r.z.: Rosa.

Ahzumjot: Pink.

P.r.z.: Schnauze!

Ahzumjot: Dieses Jahr evtl. noch eine kleine Free-EP, nächstes Jahr dann das zweite Album. Mehr will ich nicht verraten. Sonst boxt mich P.r.z. Wieder.

P.r.z.: Im Fokus steht jetzt erstmal ordentliche Promotion für das aktuelle Album, Live-Gigs spielen, 1 bis 2 schöne Videos noch und Shisha rauchen.

Ahzumjot: Und Final Fantasy 13 spielen.

Ein Ereignis, was ihr wohl nie mehr vergessen werdet ist die 11 Jahre Chimperator Tour. Erzählt was dazu? Wie kam es dazu und wie war es? Wird so was in Zukunft öfter vorkommen?

P.r.z.: Unsere Mutter, Florian…

Ahzumjot: Also unser Management…

P.r.z.: Schnauze! Ist doch dasselbe. Er hat einen ganz guten Draht zu den Jungs von Chimperator und veranstaltet die immer in Hamburg. So sind wir in die Vorgruppe gekommen. Und da ja sogar ‘n Song mit Vasee existiert, war das ja eh naheliegend.

Ahzumjot: Es war echt schön. Das Publikum war toll, Chimperator haben eine – wie immer – Wahnsinnsshow hingelegt. Ein äußerst gelungener Abend.

Wird es Schlechte Menschen nur noch als Schlechte Menschen geben oder seid ihr auch weiterhin als Soloartists unterwegs?

Falls „nur“ noch Schlechte Menschen, warum?

Ahzumjot: Nachdem wir uns Wirte gesucht haben…

P.r.z.: Schnauze! Das sind keine Wirte, das sind wir!

Ahzumjot: Ja, stimmt. Es ist ein Neuanfang. Wir arbeiten zwar schon seit 3 Jahren zusammen, aber wollten dann einfach zusammen ein Projekt machen. Um ehrlich zu sein ist das manchmal sehr schwierig, bedeutet auch viel Stress, aber es macht einfach im Endeffekt viel mehr Spaß und das ist doch eigentlich das Wichtigste. Als ich auf dem Mixtape letztes Jahr diesen Solo-Song „2000-EXzellent“ gemacht habe, fehlte mir irgendwas beim Anhören. Ich habe immer auf den P.r.z.-Part beim Hören gewartet. Und er kam halt nie.

Olli Banjo sagt in einem Interview mit mir, für das Labelsterben seien u.a. die illegalen Downloads Schuld. Daraus entstand eine lange Diskussion. Wie steht ihr dazu?

P.r.z.: Banjo hat recht. Viele Blogs leaken ja auch vorher schon illegal Songs. Das schadet der Industrie natürlich. Dieses Gefühl, was mal da war, dass man auf MTV auf seine Lieblingssongs wartet, sich Weltpremieren anschaut, dann das Album kauft, die CD in die Anlage wirft und dort konzentriert sitzt und nichts skippen will, weil man ja auch schließlich gezahlt hat, gibt es nicht mehr. Heute lädst du dir 3 Alben am Tag, hörst dir keines davon an. Das zwingt ja sogar größere Künstler teilweise Freedownloads anzubieten.

Ahzumjot: Und in Deutschland ist das ja auch anders als in den Staaten. Nicht nur, dass CD’s dort einfach mal die Hälfte kosten. Aber es sind nicht nur die illegalen Downloads, wie du siehst. Labels haben auch selbst Schuld. Hier fehlen oft interessante Images und Maschen. Es reicht längst nicht mehr gut zu „spitten“. Die haben dort halt Stars. Es mag zwar oberflächlich klingen, aber wie oft siehst du hier einen Rapper über den roten Teppich stolzieren? Man sieht auch die Rapper hier nicht als Stars an, wenn du hörst, dass XY nebenbei Taxi fährt und du als Hörer mehr verdienst.

P.r.z.: Zudem geht der Trend gerade eh in Richtung Live-Gigs. Du verdienst mittlerweile kaum noch was mit Verkäufen. Solange du dir Merchandise nicht aus dem Netz laden kannst und du noch zu Live-Shows gehen willst, kann man auch noch was verdienen, aber es ist definitiv viel schwieriger geworden. Guck mal wie wenig du in Deutschland verkaufen musst, um Gold zu gehen.

Weiter mit dem Thema Internet: Web 2.0 – Fluch oder Segen? Wie seht ihr die Szene um Twitter, Facebook & Co.?

Ahzumjot: Ja, diese schönen Trenderscheinungen. Diese Portale dienen natürlich super als Werbe-Plattformen. Auch wenn Myspace ja immer eher ‘ne Homepage war und Facebook und Twitter eigentlich eher persönlich sind. Deshalb stirbt Myspace gerade immer mehr. Ich muss aber sagen, dass ich diese Blogs toll finde. Auf Myspace störte mich immer, dass halt jeder da im Mittelpunkt stehen konnte. Blogs sind ja so gesehen virtuelle Magazine, die keinen Headset-Rapper posten würden.

P.r.z.: Blogs sind äußerst schnelllebig. Zwar wie Magazine, aber stell’ dir vor die Juice würde pro Monat so viel reinknallen wie alle deutschen Blogs zusammen. Dann wäre jede Ausgabe ein Telefonbuch und die Juice-CD ‘ne Blu-Ray. Für den einen ist es Segen, für den anderen Fluch. Der Konsument freut sich, dass er jetzt nicht mehr in den Laden muss und Geld verschwenden muss für tolle Musik. Der Künstler sucht sich ‘nen Zweitjob.

Kommen wir noch zum Brainstorming:

Euer Planet – Yayo!

Eure Mission – Die Welt zu retten. Immernoch.

Hamburg – In Trümmern. Aber nicht alles. Zwar nicht unsere Richtung, aber Nate57 oder auch 187 sind einfach gut.

Ahzumjot – Ich schwör’, perfekt.

P.r.z. – Ich schwör’, perfekt.

Vielen Dank für das Interview, natürlich gehören euch die letzten Worte.

Ahzumjot: Gebt guter Musik eine Chance.

P.r.z.: Supportet, was euch gefällt.

Related Posts:

  • http://wilzomusic.de.vu wilzomusic

    Top Interview, sehr interessant! :)

  • http://www.hobscotch.de hobscotch

    Nach dem leider nicht so tollen Banjo-Interview nun wieder ein interessantes und unterhaltsames Interview. Hab mir die Scheibe der beiden immer noch nicht angehört, aber das wird sich zum Wochenende hin ändern ;)

  • http://www.rockstah.de Rockstah

    Ich find die scheiße. Hört mehr Rockstah.

  • “i love cox”

    sehr geiles interview, informationsreich und auf jeden fall unterhaltsam! :)

  • Pingback: TheBlogParty » Schlechte Menschen im Interview