Mortis One im Interview

von unter Interview.

Hallo Freunde,

es war mal wieder Zeit für ein Interview. Diesmal gibt es ein Interview mit Rap-Künstler und Produzenten Mortis One. Wir sprachen über ein paar Anekdoten aus seiner Zeit als Rapper, über kommende und alte Projekte und vor allem natürlich über sein neues Album. Hier gibt Mortis One einige Produzenten und Features bekannt.

Hallo Mortis, danke dass du dir Zeit genommen hast. Ich bin mal so frech und zähle dich zu den Newcomern bzw. noch unbekannteren Künstlern, ohne es böse zu meinen. Würdest du dich kurz in ein zwei Sätzen vorstellen, was kam bisher von dir, was ist aktuell und was kommt noch?
Ich bin Mortis One aus Hannover der Bob Kelso des Rap und habe unter anderem ein Download Mixtape namens “Weil ichs kann” rausgehauen. Zusammen mit meiner Crew letztes Jahr den Volume Up Sampler und einige verrückte Projekte wie z.B. die Tentakelz.

Sind einige Projekte. Auf welches bist du besonders stolz und gibt es eins wo du sagst: “Hätte ich besser nicht machen sollen”?
Naja, da ich ja noch nicht soviel rausgehauen habe, kann ich nicht wirklich von bereuen reden. Ist halt alles Lehrgeld.
Ich bin halt ziemlich penibel und feiere im Nachhinein das Wenigste. Zumindest in der ersten Zeit. Nach ein paar Monaten feiere ich es dann wieder für die Unvollkommenheit.
Ich bereue eher einige Auftritte und mehr menschliche Dinge, die sich so im Laufe dieser Rap Geschichte entwickelt haben.

Wieso Auftritte und was für menschliche Dinge?
Naja. Nach über 200 Auftritten waren da einige Alkohol bedingte, nennen wir es mal Aussetzer und einige Auftritte haben einfach genervt, 2 Tage unterwegs für 10 Leute und dann nicht mal Fahrtkohle kriegen so was halt. Haha.
Menschlich gesehen, na ja ich hab mich mit einigen falschen “Freunden” eingelassen, aber mit den richtigen Leute bin ich trotzdem seit mind. 6 Jahren unterwegs. Bin da halt vorsichtiger geworden.

Also schon viel erlebt in den Jahren mit der Musik..
Ja kann man so sagen.
Mit Abroo mache ich immer stundenlange Anekdoten Sessions.

Welche Anekdoten erzählt man sich dann so?
Ach…Begegnungen mit anderen Rappern, Leute die bei Auftritten auf der Bühne aufwachen, Randale, Bier aus der Vorhaut anderer Leute schlürfen… Das Übliche halt. Haha.

Lecker! Lass dir von Dr. JD sagen, manche Dinge sind nicht so gesund. Aber darauf will ich jetzt nicht weiter eingehen… Kommen wir zurück zu den vergangenen Releases, du hast “Weil ichs kann” angesprochen. Wie ist da das Feedback und wie sieht es in Sachen Downloadzahlen aus?
Also Feedback war durchgehend positiv, auch wenn sich nur die Juice die Mühe gemacht hat eine Review zu schreiben. Dafür gleich Mixtape des Monats, hat mich sehr gefreut! Ich habe ein Mixery Interview bekommen und wurde auf mehr Jams erkannt, haha. Aber zahlenmäßig weiß ich da jetzt nicht so genau. Bei Rappers.in direkt ein Bisschen über 3000 und sonst ist es bei Fettrap und Rapidshare und so gelandet.
Aber es hat mir einige Türen geöffnet und war ein guter kreativer Startschuss würde ich es mal so nennen.

Welche Türen haben sich denn geöffnet?
Hauptsächlich haben mich Redakteure und Blogbetreiber auf dem Schirm
Ich habe viele andere Rapper und Produzenten kennen gelernt. Und mein musikalischer Horizont hat sich extrem erweitert, weil ich eine Sache mal von Anfang bis Ende komplett fertig gestellt habe.

Hört sich doch gut an. Blogger sind ja wirklich aufmerksam auf dich geworden, das habe ich auch festgestellt. Auch ich habe gebloggt, vor kurzem das Beattape, dazu aber gleich mehr.

Bist du denn zufrieden mit den Downloadzahlen, mit den zusätzlichen Kontakte und der Resonanz? Oder bist du generell ein eher selbstkritischer Mensch und sagst es kann immer mehr sein?
Ja natürlich, ich mag künstliche Bescheidenheit nicht. Wenn ich so viele Scherz-Projekte oder unfreiwillig komische Rapper und ihre Zahlen betrachte ist es schon etwas wenig, aber ich hab gelernt zufrieden mit dem zu sein, was man hat. Wie gesagt, habe halt nicht wirklich viel gemacht, vorher außer aufzutreten. Von daher ist schon alles cool. Ich mache noch etwas länger Musik glaub ich mal.

Das ist auch gut so. Was steht denn in Zukunft so an? Schon weitere Projekte geplant?
Haha, jop. Nächste Woche kommt mein nächstes Beattape “Crate Killer vol. 3: Bloody Mary”, Ende des Monats ein Free Download Mixtape namens “Immer wieder gern” mit nem mehrseitigen Booklet voll mit alten Fotos und Anekdoten. Sind halt fast alle Featureparts von da Kid gemixt. Circa 10 Tracks habe ich noch mal neu aufgenommen. Dann noch 1-2 Videos, weil ich mich gerade etwas im Regiebereich engagieren will.
Und dann Mitte Dezember meine CD. Voraussichtlicher Titel “Wer kennt ihn nicht” und das Konzept ist angelehnt an die Sparring Reihe von Banjo, also der Grossteil Featuretracks.

Du sagtest schon, Beattape. Der bereits dritte Teil kommt. Wie schaffst du es Producer und Rapper gleichzeitig zu sein und worauf legst du mehr wert?
Naja Beats machen geht halt schneller von der Hand. In 20 Minuten ist das Ding fertig, aber den Text schreibt man, dann noch aufnehmen in Idealfall am selben Abend. Aber da vergeht doch mehr Zeit. Ich sehe das ähnlich wie Tua, der hat auch mal gemeint, dass ein guter Rapper auch Ahnung vom produzieren haben sollte. Also ich sehe mich weder mehr als Rapper oder Produzent.
Ich will halt irgendwann mal ein kompletter Musiker werden. Aber da hab ich ja noch 20 Jahre Zeit für, jetzt mache ich erstmal plumpe Rapmusik und simple Beats.

Okay. Die Aussage von Tua kann man so teilen. Wieso sind die Beattapes in so kurzen Abständen erschienen? Wieso kurz danach ein weiteres Free Mixtape?
Weil ichs kann, haha. Ich mache jeden, wirklich jeden tag Beats, meist so 5 Gerüste. Bin immer unterwegs. Da haben sich, wie man sich vorstellen ne menge Beats angesammelt. Durch diese Beattapes kann ich den Leuten mein Spektrum präsentieren und zwinge mich gleichzeitig mal die Sachen auszuproduzieren, soundmäßig bin ich halt echt nicht gut. Ich habe bis vor 3 Monaten nicht mal Monitorboxen gahabt. Haha.
Ich habe alles mit meiner Aiwa Anlage abgemischt, aber jetzt hole ich mir einige Nachhilfestunden bei befreundeten Produzenten und fahre dafür oft nach Berlin, weil ich da Ruhe habe, um Sachen zu mischen.

Okay hört sich doch gut an. Du scheinst in einer großen Entwicklung zu stecken. Was darf man denn von der CD im Dezember erwarten? Features? Mit Label Unterstützung?
Naja. Label glaub ich nicht, ich werd mir Geld zusammenkratzen und selbst ne 500er Pressung machen. Los werd ich die schon, denk ich. Amazon und so kann man selbst organisieren. Beats habe ich von vielen externen Leuten, wie z.B. Dexter, Mecstreem, Osten Powers, Nowak Beats, Ruxtables und natürlich ich selbst.
Features bis jetzt 100% Olson Rough, Dilemma, Audio 88, Abroo, Dra Q, meine Volume Up Jungs, Phreaky Flave, Jimmy Spliff, Projekt Gummizelle und Chs. Ansonsten möchte ich da noch Kamp mit draufhaben. Ach und Trailerpark, das wird ein lustiger Metalsong. Haha.

Da sind ja einige sehr namhafte Künstler drauf. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit den Jungs?
Ganz simpel und in der heutigen Zeit des Internets kaum vorstellbar, aber einfach auf Konzerten/Partys kennen gelernt und sich gegenseitig gefeiert. Der back in the Days Hip Hop Shit. Ich gebe halt auch vielen Leuten Props bzw. umgekehrt.

Ich zähle mich zwar zu den Internetjunkies, aber ich hab auch noch die Zeit mitgemacht, wo das Internet noch nicht so präsent war. Schön, dass es so was noch gibt. Wohl aber leider viel zu selten, das meiste läuft wohl bei Twitter und Facebook. Wie stehst du dieser Internet-Szene eigentlich gegenüber?
Naja, ich profitier ja davon. Ich würde mich halt nie darüber definieren, allein weil ich einfach auf die Bühne gehen muss bzw. eine persönliche Reaktion auf meine Musik und meine Person brauche. Ich hock ja echt genug allein zuhause vorm Rechner.
In der heutigen Zeit ist es wichtig, sich damit zu arrangieren, aber man sollte sich davon nicht verschlucken lassen.
Ich sehe es eher als Hilfsmittel und als gute alternative um mit Menschen überall in Deutschland in Kontakt zu bleiben.

Ja das stimmt wohl. Kann sehr hilfreich sein, diese Vernetzung.
Jop.

Du bist Scrubs Fan. Da frag ich mich natürlich. Lieblingsfolge? Lieblingsstaffel? Lieblingsszene? Lieblingscharakter?
Lieblingsfolge: Erste Staffel, letzte Folge, letzte Szene. Einfach wie im wahren Leben, gerade läuft es gut und innerhalb von einer halben Minute ist alles gebumst. Und der ist für Olsen <3 : Zuckerwattemann, rieche ich da etwa blau?
Lieblingcharakter ist Dr. Kelso

Wieso ausgerechnet Dr. Kelso? Der macht mir oft das Leben ganz schön schwer…
Ja sorry, aber tief im Innern ist er ja ein guter Kerl, siehe seine Rock ´n roll Karriere. Was ist nur aus Bunny geworden?

“Vielleicht ist ja damit der gute alte Bugs Bunny gemeint?”

Ich denke wir kommen langsam aber sicher zum Ende. Ich würde gerne noch kleine Fragen stellen und du antwortest quasi so kurz wie möglich bzw. mit einem Wort.
Yeah

Welches Release in diesem Jahr hat dich am meisten beeindruckt?
Marteria Album

Welche ist die  peinlichste Platte in deiner Sammlung?
Nana. Aber eher ein Relikt der Vergangenheit

Wer ist dein persönlicher Lieblingskünstler?
Auch, wenn ich mir jetzt Feinde in der Realness Landschaft mache. Haha Kanye West und Diplo sind überkrass. Aber was Kanye mit seinem ersten Album gemacht hat, überkrasse Arrangements etc. Am meisten rapmäßig haben mich Necro und Eminem beeinflusst.

Was fehlt der deutschen Rap-Szene?
Integrität, Rückrad und einfach mal wieder “normaler” Rap und weniger “Innovation” und dieses um jeden Preis anders sein wollen. Ist gar nicht notwendig, wenn man das, was man tut versteht und gut macht.

Super, die letzten Worte gehören dir. Was willst du noch loswerden?
Soundtrack zum Interview: Ich will alles, alles oder nichts, sorg du dafür, dass du dein Teil kriegst. Gib alles was du hast Sido, B und Mesut! Haha. Danke für deine Zeit und viel Spaß in der Klinik mein Bester.

Vielen Dank! Es war mir eine Freude.

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