Hallo Freunde,
der wundervolle Morlockk Dilemma sprach im Interview mit JD’s Rap Blog über das aktuelle Album, Kool Savas, die neuen EPs und über die Zusammenarbeit mit anderen Künstlern. Darüber hinaus war selbstverständlich auch die Musikindustrie und die neuen Medien Thema im Interview. Man darf also gespannt sein. Viel Spaß mit dem neuen Morlockk Dilemma Interview.
Hallo, erst mal vorweg vielen Dank, dass du dir Zeit für das Interview nimmst. Hoffe dir geht’s gut..
Alles paletti soweit.
Vor wenigen Wochen hast du dein neues Album „Circus Maximus“ veröffentlicht, wie ist die Resonanz zum Album?
Sehr gut. Die Leute kaufen das Album und wir haben im Spokenviewbüro mächtig rotiert, dass alles pünktlich ankommt und niemand zu warten hat. Es scheint zu gefallen und das lässt mir das Herz erwärmen.
Heutzutage sind die Verkaufszahlen von Rap-Releases deutlich geringer als vielleicht noch vor 10 Jahren, bist du zufrieden mit den Verkäufen deiner Releases, insbesondere natürlich vom letzten Album?
Ja, aber da gibt es keine großen Überraschungen mehr. Ich könnte demnächst rerelaesen, aber das werde ich wohl nicht tun. Mal sehen. Fühlt sich auch gut an, wenn etwas vergriffen ist. Für immer. Pech gehabt. Beim nächsten Mal.
Nein Spaß beiseite. Es werden ja noch weitere Releases folgen. Gedanklich hab ich mit „Circus Maximus“ längst abgeschlossen.
Rund um das Album gab es ja vor allem Wirbel um das Cover, kannst du noch mal kurz erzählen, was passiert ist und wie du im Nachhinein auf die Sache blickst?
Ach das ist ein leidliches Thema, was den Fokus anfänglich von der Musik abgelenkt hat. Es ist letzten Endes nur ein Cover, die Hülle, die Verpackung. Ich fand das brasilianische Cover großartig, hab es verwendet und dafür auf die Finger bekommen. Shit happens. Für mich war das nichts anderes als Sampling, was man natürlich aus bürgerlicher Sicht nicht nachvollziehen wird und auch nicht muss. Dieses Spiel spielen wir aber auch ganz gut, von daher haben wir rechtzeitig reagiert, das Cover geändert, selbst ein paar juristische Schritte unternommen und daher bis dato keinen bedeutenden finanziellen Schaden erlitten. Es mussten halt neue Cover her. Die alten Cover haben wir geschreddert, verbrannt und die Asche hab ich gefressen. Zurückblickend gilt: Hätte,hätte, Fahrradkette.
Deine Schlagzahl an Veröffentlichungen war in den letzten Jahren ja ziemlich hoch, du hast weit mehr Releases als viele deiner Kollegen. Du sagst bei HipHop.de du wendest dich von der klassischen LP ab und möchtest EPs veröffentlichen. Heißt das, es kommen gar keine LPs mehr von dir?
Nein, soweit geh ich nicht. Ich hab einfach momentan Bock auf dieses EP-Format. Das gibt mir die Möglichkeit, kurz und bündig Konzepte umzusetzen und damit nicht gleich ein ganzes Album füllen zu müssen, was ja auch einen gewissen Zeitaufwand mit sich bringt. Auf der anderen Seite geht man an eine LP auch mit ganz anderen Erwartungen ran. Das steht immer im Verhältnis zum letzten Album. Es ist einfach ein „großes Release“ und ich möchte momentan auch mehr Spontanität in meine Sachen bekommen. Das heißt nicht, dass jetzt nur Schnellschüsse kommen werden. Aber zum Beispiel die EP mit Dexter, die dieses Jahr auch noch kommen wird, lässt sich vom Konzept her einfach besser im EP-Format umsetzen. Es wird also anstelle eines neuen Dilemma-Albums eine EP-Reihe geben mit verschiedenen Produzenten, Konzepten, neuen Alter Egos usw. Ein Teil davon ist auch eine Instrumentalserie, auf der meine Instrumentals releaset werden. Hauptsächlich von „Circus Maximus“, aber auch schöne Teile von „Omnipotenz in d-moll“, „Der Eiserne Besen“ und den anderen Veröffentlichungen. Wenn das gut läuft, werd ich auch eine neue reine Instrumental-EP rausbringen. Ideen gibt es zu Hauf. Vorrangig soll die EP-Serie auf Vinyl rauskommen.
Im HipHop.de Interview heißt es auch, dass du EP schneller fertig bringen kannst, heißt es, dass du jährlich öfter releasen möchtest oder auch immer wieder Free EPs einstreust? Gibt es da schon einen Masterplan?
Nein. Das wird sich jetzt zeigen. Man sortiert natürlich genauso Thematiken und Songs aus wie auf einem Album. Wie viele Releases das dann letztendlich pro Jahr werden, kann ich nicht sagen. Dieses Jahr möchte ich aber mindestens noch 2 EPs veröffentlichen. Im Spätsommer wird die erste Instrumental EP kommen und gegen Ende des Jahres dann die Episodensammlung „Weihnachten im Elfenbeinturm“ auf wunderbar souligen Dexterbeats. Nächstes Jahr wird dann wohl wieder mal gefegt. Aber schon alles als physische Releases…
Man sitzt an einem Album viele Monate, vielleicht auch Jahre. Man veröffentlicht es, genießt nur ein paar Wochen Aufmerksamkeit und verkauft heutzutage deutlich weniger. Der Hype ist vorbei und viele Leute haben einen wegen der Schnelllebigkeit schon wieder vergessen. Umgehst du diese Problematik mit mehreren EPs oder siehst du das alles gar nicht als Problem?
Naja wie gesagt, es wird ja auch noch ein Dilemma-Album geben. Das ist es so ne Laune von mir mit den EPs. Das wird sich bei dem Format eventuell noch schlimmer auswirken, was die geringe Aufmerksamkeitsspanne betrifft. Aber das ist mir egal. Wir werden ein paar hübsche Videos basteln und dann hat man seine 2 Wochen Spotlight. Für mich ist das kein Problem. Das Ziel ist ja nicht unbedingt, durch die Decke zu gehen und Umsätze zu verdoppeln. Man bringt was raus, verkauft das und schiebt was neues nach. Fertig. Das soll jetzt nicht arrogant klingen, aber mir geht’s hauptsächlich drum, Musik zu veröffentlichen. Ob das jetzt jeder 19-jährige mit Eminem-Poster mitbekommt oder feiert, ist mir egal.
Du hast mit Hiob schon einige Releases hinter dir, ist mit ihm schon etwas Neues geplant?
Wir haben schon Bock, wieder was gemeinsam zu machen. Allerdings ist Hiob ja gerade voll im Schaffensprozess seines zweiten Albums, und da möchte ich ihn auch gar nicht rausreißen. Das was ich bisher davon gehört hab, klang sehr geil und man kann sich zurecht drauf freuen. Es hat halt eine völlig eigenständige Atmosphäre und Ästhetik, die man mit meinen Sachen gar nicht vergleichen kann. Von daher bin ich sehr gespannt, wie es von den Leuten aufgenommen wird und lass ihm auch erstmal die Zeit, bevor wir uns Gedanken machen, wie die nächste Zusammenarbeit aussehen wird. Aber kommen wird etwas.
Was steht ansonsten bei dir noch neues an? Featureprojekte oder eigene Releases?
Sowohl als auch. Konkret gibt es ja auch noch eine EP mit Sylabil Spill.
Du hast vor einiger Zeit einen Song mit Kool Savas veröffentlicht, wie kam es zu der Zusammenarbeit und wird man von Euch beiden in Zukunft öfter mal etwas gemeinsam hören?
Relativ Spontan. Ich war damals in Stuttgart und hab ihn gefragt, ob er in der Stadt ist. Er meinte, ich soll ihn im Studio besuchen und da war dann schon eine fertige Savasstrophe recordet für das Juice Exclusive. Ich hab dann vor Ort was geschrieben, was ich ja sonst in so einer Studioatmosphäre nie mache, und aufgenommen. Eigentlich voll unspektakulär.
Natürlich hätte ich nichts gegen eine weitere Zusammenarbeit. Dann aber vielleicht mal auf einem meiner Beats und mit etwas mehr Zeit. Aber hey, er ist ein vielbeschäftigter, sehr erfolgreicher Berufsmusiker. So jemanden nervt man nicht mit Featureanfragen sondern wartet, was die Zeit mit sich bringt.
Ich beschäftige mich auf dem Blog oft mit der Musikindustrie, den Verkaufszahlen, den Majors und mit neuen Vermarktungsmöglichkeiten für Künstler. Facebook, Soundcloud und vor allem Youtube spielen in der Verbreitung von Songs eine große Rolle. Wie blickst auf diese Entwicklung, wenn du bedenkst, dass vor ein paar Jahren noch Tapes auf dem Splash verkauft wurden, um Leute zu erreichen?
Also das mit Tapes auf dem Splash verkaufen hab ich tatsächlich auch gemacht. Das war 2004. Aber nicht aus Aufmerksamkeitsgründen, sondern weil man da gut Stuff verchecken konnte. Außerdem hatte man da direkten Kontakt zu Leuten. Das geschieht ja heute noch, wenn wir zum Beispiel touren oder sonst wie unterwegs sind. Dann quatscht man da mit Fans oder interessierten Leuten und bekommt direktes Feedback. Ich finde so Plattformen wie Youtube und Soundcloud schon interessant und wichtig, aber ein wirkliches Feedback bekommt man da auch nicht. Es ist schon eine andere Kommunikation. Entweder sind Reaktionen ultrapro oder ultraanti und immer überspitzt. Entweder bist du „Gott“ oder „Hurensohn“. Es hat halt qualitativ nichts von einem Gespräch mit einem realen Menschen und ist für eine konstruktive Kritik völlig wertlos. Man schaltet irgendwann einfach ab. Von daher sind diese neuen Medien definitiv wichtig, um ein Produkt (um das böse Wort mal zu nennen) in den Fokus einer Öffentlichkeit zu rücken. Man muss aber auch sehen, dass Klickzahlen nie ein Indikator für Verkaufszahlen sein müssen.
Du hast genauso wie ich Journalismus studiert, bist also ein Profi und wirst feststellen in meinem Interview fehlt der rote Faden und ich beschränke mich nicht wie empfohlen auf nur 2-3 Themen. Nichtsdestotrotz, wie konntest du Studium Musik unter einen Hut bringen bzw. hat es überhaupt funktioniert?
Ach naja, so sehr Profi bin ich auch nicht. Ich finds ja schon toll, dass du mich nicht nach der Herkunft meines Namens fragst :) Ich sehe das Rapding ja auch als eine wunderbare Ergänzung meines Alltagslebens. Ventil, Jugendelixier, ect. trallalla. Da findet man schon Zeit nebenher, wenn es aus einer Leidenschaft heraus entsteht. War ja nie als Beruf geplant, auch wenn ich das Studium so teilweise mitfinanziert hab.
Zu guter Letzt noch eine Frage zu der weltbesten Serie im Fernsehen. Schaust du Scrubs und wenn ja, welcher ist dein Lieblingscharakter und wieso?
Ja, find ich lustig. Am besten finde ich den Hausmeister. Der ist der Prototyp eines Griesgrams.
Zumindest wirkt der so auf mich…du siehst, wirklicher ultra bin ich dann doch nicht.
Vielen Dank für das Interview, die letzten Worte gehören natürlich dir.
Ich danke für die Fragen. Wer „Circus Maximus“ noch nicht hat, beeilt sich und geht auf www.spokenview-shop.com , achtet auf meine EP-Serie und natürlich das Hiob Album im Herbst.
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