Kamp im Interview: Neue EP erscheint bis März 2012

von unter Interview, Specials.

Hey Leute,

heute haben wir ein ganz spezielles Interview für Euch vorbereitet und bei diesem Kamp Interview war ich nicht selbst aktiv, sondern Nikolaus Rittenau aus Kärnten in Österreich. Er hat mich gefragt, ob ich als Blogger ihm eine Plattform bieten kann, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ich freue mich natürlich, dass ich das Interview mit Kamp präsentieren darf, geführt von einem Hip Hop Fan seit der Jahrtausendwende. Viel Spaß!

Kamp One, erfolgreicher „Versager ohne Zukunft“ und Mitveranstalter des österreichischen Hip Hop Festivals „Am Strom“, ist seit dem Release seines Debütalbums auch außerhalb der österreichischen Grenzen ein Begriff für viele mit einem Faible für guten Sprechgesang auf Deutsch. Seit eben jenem Album ist sehr viel im Leben des Florian Kampelmühler passiert.

Du bist ja schon seit deinem sechzehnten Lebensjahr als MC aktiv. Was waren deine musikalischen Einflüsse?
Also da müsste ich wohl in erster Linie das Rödelheim Hartreim Projekt nennen, des Weiteren…nein, Scherz! (lacht) Ich bin mit der guten, alten New Yorker Schule aufgewachsen und war parallel dazu immer von Deutschrap angefixt. Ich fand das Fettes Brot Album „Auf einem Auge blöd“ sehr gut und auch „Kopfnicker“ von den Massiven Tönen war ein Meilenstein und sehr wichtig für mich. Mit der Zeit habe ich auch immer mehr Sachen aus Österreich entdeckt, die mich mit Sicherheit geprägt haben. Das Texta Video zu „Walkmania“ habe ich beispielsweise sehr gefeiert.

Was hat sich seit dem Release von “Versager ohne Zukunft” verändert?
In erster Linie haben sich viele neue Features ergeben (z.B. mit Prinz Pi, Kaas, Antihelden; Anm. d. Verf.) und wir sind am Ende doch Teil der Deutschraplandschaft geworden. Ich und Whizz Vienna beginnen ja quasi am Ende unserer Karriere. Aber natürlich war bald nach dem Album eine gewisse Veränderung spürbar.

Du selbst betonst ja, dass “Versager ohne Zukunft” dein letztes Album sei. Siehst du das in Bezug auf Kamp als Solo-MC oder lediglich in Bezug auf die Kombination Kamp/Whizz Vienna auf Albumlänge?
Wir versuchen da schon standhaft zu bleiben. Außerdem habe ich sowieso nicht die gehirntechnischen Kapazitäten, um ein zweites Album mit Texten zu füllen. Das merkt man ja schon daran, dass ich beinahe drei Jahre an meiner kommenden EP arbeite. Aber natürlich lasse ich mir dieses kleine Schlupfloch offen, um weiterhin EPs zu veröffentlichen und vielleicht widersprechen wir uns auch in naher Zukunft selbst.

Seit der Juice Exklusive EP von Prinz Pi, auf der du und Whizz Vienna sehr stark vertreten waren, ist es relativ ruhig um dich geworden. Du hast es ja bereits deine lang geplante EP angesprochen. Was kannst du darüber verraten?
Die EP wird 10 Tracks umfassen und bis auf eine Hook von Skero keine Features enthalten. Alle Beats werden von Mainloop kommen. Ich schleppe einige Tracks davon ja schon seit Jahren mit mir rum und ich spüre auch schon einen gewissen Druck in Bezug auf das Release. Aber ich muss mich einfach davon frei machen. Ein Releasedatum zu nennen ist schwer, weil wir einfach faule Schweine sind (lacht). Aber es sollen auf jeden Fall keine drei Jahre ohne ein einziges Solo-Release von mir vergehen. Da ich im März 2009 „Versager ohne Zukunft“ gedroppt habe, wird bis März wohl auch die EP kommen müssen.

Du hast auch immer wieder in Interviews über andere zukünftige Projekte gesprochen. Wie ist beispielsweise der Status Quo bei dem “Nation of Goons”-Projekt?
Also bei dem „Nation of Goons“-Projekt bin ich ja nicht der Erste, der da etwas ausgeplaudert hat, sondern Mortis One (lacht). Bis jetzt ist das aber wirklich nur eine Idee. Ich kenne zum Beispiel die Snowgoons gar nicht persönlich. Ich bin durch die Antihelden zu diesem Projekt gekommen und will auch in naher Zukunft unbedingt noch etwas mit denen machen. Ob das im Rahmen dieser Supergroup passiert oder auf anderem Wege, kann ich jetzt noch nicht seriös sagen. Eigentlich kann ich ja generell nichts Seriöses sagen (lacht).Die Mitglieder sind auf jeden Fall noch nicht fix. Neben mir, Mortis One, den Antihelden und den Snowgoons besteht meines Wissens auch die Idee von den Snowgoons, nach Brooklyn und Holland zu schielen und das Projekt ein wenig internationaler auszurichten. Momentan kann ich aber schwer etwas dazu sagen, weil durch die vielen Beteiligten auch ganz schnell was passieren könnte. Vielleicht bin ich auch nicht informiert worden und das Album ist schon fertig, ohne das ich dabei bin (lacht).

Stimmt es, dass nach der Tour „The Good, The Bad &, The Alki“ mit Morlockk Dilemma und Mädness abgesehen von dem gemeinsamen Track, auch noch ein dazugehöriges Release von euch kommen wird?
Nein, eigentlich nicht. Wir stehen zwar in gutem Kontakt, aber eine gemeinsame EP zu dritt ist nicht geplant. Allerdings kommt irgendwann ein kleines Projekt mit Mädness alleine. Bis jetzt gibt es aber nur drei Nummern und ein Video. Viel mehr als fünf bis sechs Tracks sollen es aber auch nicht werden.

Gibt es in naher Zukunft noch andere Projekte, auf denen du zu hören sein wirst?
Ja, auf dem kommenden „Kennenlernrunde“-Sampler von Herrn Merkt werden ich und Senz mit einem Track dabei sein und auch auf dem kommenden Kollaboalbum von Morlockk Dilemma und Dexter bin ich mit einem Feature vertreten. Das Album wird übrigens unglaublich gut!
Du bist auch einer von zwei Organisatoren des „Am Strom“-Festivals, welches dieses Jahr schon zum dritten Mal stattfand. Wie kam es dazu? Das Festival geht auf eine betrunkene Idee von mir und der Künstlerin Michaela Altweger alias Michi Macht zurück. Michi ist eine sehr liebe Freundin von mir, die zwar erst sehr spät zur Hip Hop Szene gestoßen ist, das aber durch ihre große Motivation wieder wettmacht. Weil österreichische Acts nur selten auf deutschen Festivals gebucht werden, machen wir eben trotzig unser eigenes Ding (lacht.) Wir zogen das Ganze zu Beginn sehr chaotisch und ohne große Vorahnung auf und so hatte es diesen netten Hippie-Flavour. Die ersten zwei Jahre waren sehr nett, 2011 war jedoch wetterbedingt eine Katastrophe. Zum jetzigen Zeitpunkt ist es auch noch nicht sicher, ob das Festival 2012 wieder stattfinden wird. Es gibt massig Ideen, aber momentan ist es noch schwer, etwas Genaues zu sagen, es wird sich alles erst zeigen.

Whizz Vienna hat früher auch gerappt. Kann man von ihm in diese Richtung noch etwas erwarten, oder konzentriert er sich in Zukunft weiterhin ausschließlich aufs Produzieren?
In erster Linie konzentriert er sich gerade auf die kleine Marie Vienna und geht als Papa voll auf. Seit ein paar Monaten ist er allerdings auch wieder fleißig am Produzieren. Wenn es ums Produzieren geht, hat er ja in den letzten vier Jahren wirklich schon fast für die komplette Rapszene in Österreich etwas gemacht und hat da für mich schon beinahe Dj Premier-Status, wenn es um dreckige Dinger geht. Wenn es um Rappen geht, dann braucht er allerdings immer erst einen besonderen Anlass und das passiert höchstens alle paar Jahre mal. Und selbst dann hört die Aufnahmen nur ein recht kleiner Kreis.

Zum Abschluss noch etwas für alle, die Kamp noch nicht kennen: Ein paar Tracks, welche man gehört haben sollte:

Nix Scheissn
Aus dem „neue Mode“-Tape, mit Brenk am Beat. Wahnsinnig toller Song, Kamp bringt es gleich zu Beginn selbst auf den Punkt: „ Ihr habt Brenk im Haus, ihr habt Kamp im Haus, ich hoffe ihr kennt euch aus- das bedeutet Gänsehaut“. Hab mich nach dem Erscheinen des „Versager ohne Zukunft“ –Albums gleich durch seine restliche Diskographie gehört und bin von Beginn an auf diesem Track hängengeblieben.

Versager
Whizz verwendet ein Sample von “Some Other Time” von Alan Parsons Project, welches auch die Snowgoons auf ihrem Track mit Viro The Virus und Aphroe für das „German Snow“-Album bereits verwendet haben. Diese Nummer steht für mich exemplarisch für das gesamte Album – wunderschönes Instrumental und Kamp in der Rolle des Versagers ohne Zukunft. Jede Line wäre ein Zitat wert.

Malinkaya
Malinkaya enthält ein Sample aus Joe Simon‘s „Your Time to Cry“ und ist der erste Teil der „Trennungsundwiederzusammenkommenundsichwiedertrennen-Tragödie“ vom „Versager ohne Zukunft“-Album. Entwaffnend ehrlich und durch und durch nachempfindbar. Mit ein Grund, warum mein erster Abend in Wien ins Roxy führte.

Alles was ich hab
Auch wenn man nicht jede Line nachvollziehen kann, ohne Kamp zu kennen, pure Emotion. Ehrlicher war Rap noch nie. Sein Vermächtnis an seine Familie und an die (Rap-)Welt. „Kein Depri Shit…na gut-doch…“

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