Hey Freunde,
erneut gibt es ein neues Interview, diesmal mit Gerard MC aus Österreich. Er spricht über sein Album “Blur” und das kommende Album, welches Mitte 2012 erscheinen soll. Auch dieses Interview wurde von meinem Kollegen Nikolaus Rittenau geführt, er war zuletzt auch für das Interview mit Kamp verantwortlich.
Für den aus Wien stammenden Rapper Gerard Mc stehen die Sterne günstig. Nach dem von Kritikerseite zurecht gelobten, zweiten Studioalbum „Blur“ aus dem Jahr 2009 wartet die Rapszene mit Spannung auf die Veröffentlichung seines dritten Soloalbums. Grund genug, um den sympathischen Rapper zu einem kurzen Interview zu bitten, um zu erfahren, wie der Status Quo des dritten Albums ist und was in der Zwischenzeit so passiert ist.
Wie würdest du die Resonanz auf dein letztes Album beschreiben?
Im Grunde sehr gut, dadurch ergab sich auch die Tour mit Prinz Pi. Des Weiteren habe ich einen Verlag bekommen und auch die Juice und andere Fachzeitschriften haben das Album gelobt. Verkaufstechnisch geht natürlich immer noch mehr, aber ich denke, das Album war ein wichtiger Schritt für meine nähere Zukunft.
Dein erstes Album „Rising Sun“ wurde von vielen Kritikern ja überwiegend nicht ganz so positiv bewertet, wohingegen dein aktuelles Album sehr großen Anklang fand. Was hast du an deiner Arbeitsweise geändert und wo siehst du den Grund für diesen Wandel?
Ich glaube, ich werde einfach besser (lacht). Mittlerweile macht es einfach Sinn, mehr Zeit und Aufwand in Projekte zu investieren, weil ich merke, dass es die Leute interessiert. Früher haben wir auch beispielsweise aus finanziellen Gründen gute Ideen für Videos verworfen, jetzt gehen wir aber einfach keine Kompromisse mehr ein. Nun geben wir immer diese extra zehn Prozent mehr und hoffen, es zahlt sich aus.
Seit dem Release von „Blur“ sind mittlerweile über zwei Jahre vergangen. Wie weit bist du mit dem Nachfolger?
Wir haben schon viele Songs in der Krabbe in Berlin (Tonstudio des Produzententeams Beatlefield; Anm. d. Verf.) aufgenommen, aber auch schon vieles verworfen, weil es einfach perfekt werden muss. Das Album sollte Mitte nächsten Jahres kommen. Die Beats stammen wieder großteils von den Produzenten aus dem Dunstkreis um Fid Mella. Desweiteren haben Dead Rabbit und einige weitere, noch nicht im Hop Hop Kontext bekannte Künstler für das Album produziert. Features gibt es momentan noch keine, da kommt aber vielleicht später noch etwas.
Was hast du, abgesehen von den Arbeiten am dritten Album, in der Zwischenzeit noch gemacht?
Abgesehen von der Tour mit Prinz Pi habe ich sehr viel Musik mit Gimma aus der Schweiz gemacht. Wir hatten zu dem Zeitpunkt gerade beide ein Soloalbum gemacht und wollten anschließend nicht sofort wieder alleine etwas machen. Wir kennen uns schon lange vor seinem riesigen Erfolg in der Schweiz und es war sehr befreiend für mich, mich vor dem ernsten Soloalbum einfach ein bisschen locker zu machen. Ich konnte mich dabei wieder als Rapper austoben und auch wieder auf Hip Hop typischere Beats rappen und auch die Inhalte sind deutlich battleorientierter. Wir haben uns abwechselnd in Wien und der Schweiz getroffen und auch viel Hin und Her geschickt. Wenn alles wie geplant läuft, ist auch ein Feature mit Kamp und ein Beat von Brenk dabei. Meine Soloalben sollen nach Möglichkeit immer sehr rund und stimmig klingen und da würden Brenk Beats, die sehr speziell klingen, ein wenig aus dem Rahmen fallen. Aber im Rahmen dieses Projekts hat es gut gepasst. Unser Kollaboalbum soll definitiv noch vor meinem nächsten Sololbum erscheinen.
Welche Musik hörst du gerade privat?
Ich mag The Weekend und The Streets. Außerdem bin ich ein großer Drake Fan. Auch das Frank Ocean Mixtape hat mir sehr gut gefallen. Ich bemühe mich aber gerade in bezug auf das neue Album, mich nicht zu stark beeinflussen zu lassen. Wir versuchen beispielsweise zu drake-artige Beats herauszufiltern, um eigenständig zu bleiben.
Wie siehst du die momentane österreichische Hip Hop Szene und inwiefern bist du ein Teil von ihr? Welche Künstler findest du spannend?
Ich sehe mich grundsätzlich eher außerhalb der Szene, die ja stark auf dem Boombap- und Mundart Film unterwegs ist. Ich denke zu „Rising Sun“-Zeiten war ich noch mehr Bestandteil der Szene. Ich verstehe mich allerdings auf menschlicher Ebene sehr gut mit den meisten Künstlern, kann mir aber Mundart einfach nicht auf Albumlänge geben. Was Rap aus Österreich betrifft, mag ich die üblichen Verdächtigen wie Kamp, Kayo, Average (von „Die Au“; Anm. d. Verf.), Def Ill und Digga Mindz. Auf Produzentenseite feiere ich die Sachen von mainloop, fid mella und clefco sehr, die ja allesamt auch auf meinem letzten Album vertreten waren.
Zum Abschluss noch etwas für alle, die Gerard Mc noch nicht kennen: Ein paar Tracks, welche man gehört haben sollte:
Nichts wär
Track Fünfzehn vom Album „Rising Sun“. Alleine das Piano erzeugt bei mir einen Kloß im Hals. Und dann noch diese Geschichte. Dank der fesselnden Schreibweise sehr nachvollziehbar. Zusammen mit „Nicht’s wär“ einer der stärksten Songs des teilweise zu arg von Kritikern zerrissenen Debütalbums.
Es muss ja
Ein Überbleibsel aus den Aufnahmen zum zweiten Studioalbum „Blur“. Das Stichwort lautet Enttäuschung – enttäuscht von der eigenen Situation und seinen Mitmenschen. Aber es muss ja wieder werden…
Ab jetzt
Produziert von fid mella. „Ab jetzt Kunst über Vernunft, Kunst über meine Zukunft, Kunst über Sicherheit, Kunst über sich sicher sein“. Gerard hat sich entschieden und gleich mit dem zweiten Albumtrack ein Brett abgeliefert. Was folgt, sind 14 Tracks eines der besten Deutschrap-Veröffentlichungen der letzten Jahre
Halt es fest
Produziert von Dj GQ, der den meisten wahrscheinlich durch seine Arbeit für Curse ein Begriff sein könnte. Geschmeidiges Lied mit klarer Message – gib nicht auf und habe Geduld beim Erreichen deiner Träume. Wie die schöne weibliche Stimme es schon sagt, es liegt an dir! Ein oft gewähltes Thema, aber selten besser ausformuliert.
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