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Deutschrap und die Promo

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kollegah king cover

Es gibt so Phasen im Deutschrap – da diskutieren die Fans ein paar Tage über spezielle Themen. Es gab da mal illegale Downloads, dann sind es mal Charts und Verkaufszahlen und nun ist es eben die Promo für ein Album. Angestoßen hat das Ganze wohl Kollegah, der mit seinem Album „King“ einige Rekorde gebrochen hat. Viele sehen nicht die Qualität der Musik dafür verantwortlich, sondern die umfangreiche Promophase.

Zeit ist Gold

Da ich auch im Marketing arbeite, habe ich mir einige Tage intensiv Gedanken über das Thema Promo gemacht. Es ist schwer all das aufzuschreiben, was einem auffällt oder anders machen würde, weil man vom Fach kommt. Dennoch habe ich Facebook Kommentare gelesen und geschaut, was zum Beispiel Falk Schacht zu diesem Thema zu sagen hat. Insgesamt muss ich ihm natürlich recht geben, vor allem zum Thema Zeit der Promophase. „Rap Acts und Labels müssen ihre Promo Phasen zeitlich länger und besser planen.“ – Namhafte Rapper oder Künstler, die sich auf ihr Label verlassen, müssen genau so agieren. Allerdings gibt es auch die andere Seite – so hat mich auch Abroo überzeugt, der bei Facebook schrieb, dass er mit seinem „normalen Job“ gut verdient und Musik veröffentlicht, weil er Bock drauf hat. Die Promophase ist ihm dabei egal, weil er auch nicht darauf angewiesen ist. Ein zweiter Fall ist zum Beispiel Lucky Looks – er brauchte eine EP zum Download, danach sein Album ausschließlich digital und statt nachzulegen, haute er wieder ein kostenloses Werk raus. Auch er zielt nicht auf den großen Erfolg ab und macht Musik, weil es ihm Freude macht. Genau in diesen Fällen kann ich es verstehen, wenn man sich nicht wirklich um die Promo kümmert. Doch zurück zur anderen Seite der Medaille.

Bei Blick auf die Release-Liste 2014 gibt es einige Alben, die ich schon gar nicht mehr auf dem Schirm hab. Dazu gibt es Platten, die erst noch erscheinen und ich hab sie nicht annähernd auf dem Schirm. Es reicht eben nicht regelmäßig Videos hochzuladen und ein paar Interviews zu geben. Kollegah hat deswegen so gut verkauft, weil er diverse „Märkte“ perfekt für sich genutzt hat. Damit meine ich zum Beispiel Youtube und Facebook. Er hat das gemacht, was zu ihm passt. So hat er Bilder hochgeladen, auf denen er sich oberkörperfrei zeigt. Er hat Videos hochgeladen, in denen ihn die Fans kennenlernen sollten – damit ist natürlich die Rolle, die er spielt, gemeint. Dazu gab es Musik, die qualitativ sicher nicht so schlecht ist, aber auch sicher nicht der Grund dafür ist, dass er diese Rekorde verzeichnen kann. Soll heißen: wenn der musikalische Hintergrund nicht stimmt, kann man sich auf den Kopf stellen. Deswegen wird auch Money Boy nie so viel Platten verkaufen. Sicher könnte er mit seiner Art eine geniale Promophase machen, aber dafür ist die Musik eben qualitativ nicht stark genug.

Allerdings gibt es Rapper, die viel mehr Potenzial hätten. Sie haben die technischen Qualitäten und haben sogar etwas zu erzählen. Der Inhalt stimmt also auch. Damit wären wir wieder bei dem Thema: Es reicht nicht, nur Videos hochzuladen und ein paar Interviews zu geben. Allerdings soll das nicht heißen, dass man für Skandale sorgt oder einen Disstrack aufnimmt. Kann natürlich auch funktionieren, aber das ist durchschaubar und kann in vielen Fällen mehr Schaden anrichten, als helfen. Was tun, was tun, was tun?

Gut Ding will Weile haben

Damit wären wir wieder bei Falk, denn er sagt, dass man sich Zeit lassen sollte. Wenn das Album fertig ist, muss man nicht sofort releasen. Vielleicht sollte man sich mal überlegen, was zu diesem Album passt. Bei Kollegah waren das Youtube Shows, viele Fotos bei Facebook bzw. generell Content, der die Fans dazu veranlasst zu teilen oder liken. Auch bei Laas Unltd. war das rund um Blackbook 2 zu sehen, das Freestylen hat gepasst und auch das Battle gegen Drob Dynamic war nicht schädlich. Alles in allem bedeutet das: Plant Eure Promophase und verlasst Euch nicht darauf, dass die Musik am Ende eh alle umhaut. Die Musik kann noch so gut sein, wenn Sie das Publikum nicht bekommt, dann sorgt sie auch nicht für Verkäufe.

Kollegah hatte den Youtube Kanal, dort hatte er durch kreativen Content viele Abonnenten, und weil es ein wenig kontrovers war, sorgte es sowohl bei Youtube als auch bei Facebook für Kommentare. Damit hatte er doppelt „Glück“, denn er verdiente nicht nur bei Youtube Geld, sondern bekam auch die Aufmerksamkeit der Medien. Die sorgten wiederum dafür, dass der Youtube Account sowie Facebook wuchs. Wer in einem sozialen Netzwerk eine Seite betreibt (in dem Fall Facebook), der weiß, wie schwer es ist, diese bekannt zu machen. Hat man dann eine gewisse Fan-Zahl, weiß man, dass man ständig gegen sinkende Reichweiten kämpft. Und damit wären wir bei einem weiteren großen Fehler vieler Rapper.

Es reicht nicht Videos zu teilen, es reicht nicht alle 2 Tage den Amazon Link zu posten und darum zu betteln in der ersten Verkaufswoche die Platten zu kaufen. Das neue Video ist spätestens nach dem zweiten Mal teilen uninteressant geworden. Dazu schreckt der Amazon-Link ab – zumindest, wenn man ihn täglich postet. Auch hier kann man sich Kollegah als Vorbild nehmen und es gibt leider nicht viele, die es wirklich gut machen. Der Rapper Kollegah gibt etwas preis von sich – zumindest das, was zur Rolle des selbst ernannten Kings passt. Und genau das müssen seine Kollegen auch tun. Das soll nun nicht heißen, dass sich einige oberkörperfrei fotografieren lassen, Youtube-Shows ins Leben rufen und den 1000 Video-Blog erstellen. Man muss eben Kreativität beweisen. So könnte ich mir vorstellen, dass bei Produzenten super funktionieren würde, wenn sie zeigen, wie sie einen speziellen Beat gebaut haben. Am besten sogar einen, der schon als Song veröffentlicht wurde. Nicht besonders kreativ, aber interessant und es passt zum Charakter. Wer will denn das 100000 Selfie sehen? Man will doch in den Prozess eingebunden werden. So war es zum Beispiel perfekt, dass Liquit Walker sich aus dem Studio meldete und zeigt, wie es bei ihm aussieht. All das sind Kleinigkeiten, die gereift in eine gute Promophase gehören. Dabei muss man das Rad nicht neu erfinden, vielleicht auch weil es verkrampft wirken kann. Hier geht es vielmehr darum sich zu zeigen, was zu zeigen, was interessiert. Dabei sollte man sich immer die Fragen stellen: Was würde ich teilen? Was like ich selbst? Wo würde ich einen Kommentar schreiben? Interaktion bringt Reichweite, Reichweite bringt mehr Klicks auf Youtube und auf die Amazon-Links zum Album. Interaktion kann auch dazu führen, dass Leute auf dich aufmerksam werden, die dich vorher gar nicht kannten. So wächst die Facebook-Seite und du profitierst davon auf vielen Ebenen.  Natürlich sind Facebook und Youtube nur ein kleiner Teil des Erfolgs – aber es sind so simple Dinge, die wirklich jeder machen kann. Und ganz besonders wichtig ist eben, dass man dafür kein großes Budget benötigt.

PS: Lasst die Finger von gesponserten Meldungen und kleinen Werbe-Clips vor anderen Youtube-Videos. Das bringt gar nichts, wenn es nicht richtig gemacht wird.

Lieblose Promo

Ich bin nun über fünf Jahre Blogger und habe dafür schon einige Dinge im Hintergrund gemacht. In all den Jahren ist mir die eine oder andere Katastrophe aufgefallen. Ich habe es vor einiger Zeit in den „Rap-Newcomer-Tipps“ beschrieben. Allerdings muss ich vorweg sagen, dass es nicht nur die Newcomer sind, die davon betroffen sind. Da gibt es Labels, Agenturen oder eben einzelne Rapper, die einen so unfassbar lieblos anschreiben, dass einem die Spucke wegbleibt. Den Markt der Facebook-Nachrichten hat noch so gut wie niemand entdeckt und in einem E-Mail-Betreff steht oft sowas wie „Geiler Song“, „Anfrage“ oder „Hör mal rein“. Was zum Teufel soll man damit anfangen? Inhalt der Mail ist dann ein 2-Zeiler mit Youtube-Link oder einem Download über einen Freehoster. Tja am Ende des Tages umfasst die Promo nur hochgeladene Songs bei Youtube / Soundcloud, die Veröffentlichung der Tracklist und des Covers.

Am Ende ist es doch, wie beim Fußball oder Autos – die Emotionalität entscheidet. Ich habe mich für mein aktuelles Auto entschieden, weil ich damit Emotionen verbinde. Die Marke hat zum Beispiel mit meiner Kindheit zu tun, ich verbinde damit positive Dinge. Bei meinem Fußballverein fiebere ich mit, weil der Verein irgendwas hat, was mich berührt. Und warum ist zum Beispiel beim BVB dieses #echteLiebe so erfolgreich geworden? Die Fans konnten sich damit identifizieren und wurden damit erreicht. Genau sowas kann man auch in die Musik transportieren. Allerdings reichen dabei nicht ein Cover, ein paar Videos sowie Interviews bei großen Magazinen.

Ein paar Worte an die Musik-Liebhaber

Nicht falsch verstehen: Die Musik sollte im Vordergrund stehen und ich bin auch Verfechter davon, dass man mehr über die eigentliche Musik sprechen sollte. Allerdings gibt es dabei eines zu beachten. Wenn wir weiter Musik wollen, dann müssen Rapper irgendwann die Lorbeeren einsammeln und auch für den Aufwand belohnt werden. Ein Album muss sich also verkaufen und dafür sorgen, dass man auf größeren Bühnen spielen kann. Deswegen ist eben wichtig, dass man sich über eine Promophase genau Gedanken macht. Man kann nicht sagen, der soll einfach gute Musik machen, dann läuft das schon und alles ist gut. Wir sehen ja zum Beispiel, was es teilweise in die Charts schafft. Gut ist das oft nicht, allerdings gab es eben die richtige Promo. In einem Album steckt ja meist eine Menge Geld, so muss man Studio bezahlen, die CD pressen lassen, das Artwork erstellen und die Produzenten bezahlen (so sollte es zumindest sein). Das soll am Ende wieder rauskommen und am besten soll was übrig bleiben. Wenn nicht, kann man es sich wohl irgendwann nicht mehr leisten, Musik zu machen. Es sei denn man betrachtet es anders – es ist ein Hobby bzw. man macht es, weil man Bock drauf hat.

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Deutschrap und die Promo, 5.0 out of 5 based on 3 ratings
John Michael Dorian aka JD: Ein Rap-Fan und Arzt. Im Sacred Heart ausgebildet und dank seiner Freunde Turk, Elliot, Carla, Perry und dem Hausmeister zu dem geworden, was er heute ist.

1 COMMENT

  1. Was gute und schlechte Musik ist, das ist doch komplett subjektiv. Was es in die Charts schafft, schafft das nicht wegen einer unheimlich guten Promo, sondern zum größten Teil, weil Leute das schlicht und EINFACH feiern. Man erinnere sich an den Spruch: „Fresst Scheiße, Million Fliegen können nicht irren“. Bohlen, DSDS, David Guetta usw haben nicht von ungefähr Erfolg – das ist nicht nur Promo, man muss einfach einsehen, dass der Otto-Normal-Verbraucher kein tiefsinniger Genießer ist.

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