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Umse – Kunst für sich: „Jeder Mensch mit Geschmack feiert das“ (Review)

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umse kunst fuer sich artwork

Am 25. Juli 2014 veröffentlichte Umse das neue Album „Kunst für sich“ – dieses Werk stieg am vergangenen Montag in die Charts ein. Überraschend wohl auch für ihn belegt er Rang 36. Wer mit ihm gemeinsam feiern möchte, kann das auf der Kunst für sich Tour im Oktober tun.

Simpel, aber geil

Wer bei Umse 10-fach verschachtelte Reime, krassen Doubletime-Rap und dicke Sprüche erwartet, sollte um die Platte einen Bogen machen- er wird enttäuscht. Wer auf guten Rap steht, muss Umse hören. Was wir hier bekommen, ist simpel, aber dennoch technisch und inhaltlich stark. Umse ist sich treu geblieben und passt seinen Sound weder den Top 10 Alben der Charts an noch macht er einen krassen Sinneswandel durch, der nicht zu ihm passt. Wenn mich jemand fragen sollte, welches Album man sich anhören muss, wenn man den guten alten HipHop-Sound im 2014er Gewand hören will, dann ist es Umse mit „Kunst für sich“. Ich fühle mich einige Jahre zurückversetzt, allerdings ohne, dass die Platte des Ratinger Rappers altbacken klingt.

Christoph Umbeck aka Umse hat seine Nische gefunden und hat dazu die passenden Beats sowie genau die richtigen Features ausgewählt. Diese passen nicht nur zu seiner Musik, sondern repräsentieren meiner Ansicht nach etwas Ähnliches – den guten Rap-Sound. Megaloh, Abroo und Pimf stehen ihm zur Seite und liefern starke Parts ab. Sie reißen den Hörer nicht heraus, wie es zum Beispiel ein Gesangsfeature tun würde, dennoch fallen sie auf und werten die Platte auf. Durch die Auflockerung bekommt „Kunst für sich“ eine weitere besondere Note.

Auch wenn ich schrieb, dass Umse das Album sehr simpel gehalten hat, möchte ich unterstreichen, dass dies definitiv keine Abwertung ist. Jeder Song macht Laune und ist auf seine Art etwas Besonderes. Er rappt präzise, ist technisch stark und gibt den ein oder anderen Denkanstoß. Grundsätzlich fällt es mir schwer etwas zu loben. Wenn mir etwas wirklich gefällt, fehlen mir oft die richtigen Worte. Kritisieren ist da deutlich einfacher – typisch für Rap – aber so ist es. Nichtsdestotrotz kann ich jedem nur empfehlen Umse eine offenes Ohr zu gönnen, vor allem dann, wenn man guten alten Rap hören möchte. Der soulige Sound weiß zu überzeugen.

Sicher ist auch er mit dieser Platte nicht am Ende der Fahnenstange angelangt – sicher gibt es Luft nach oben. Manchmal wünscht man sich einen Ausbruch, vielleicht etwas Überraschendes. Sicher ist genau das meckern auf hohem Niveau – vor allem dann, wenn man es mit einem derart starken Album zu tun hat. Es klingt wie aus einem Guss, stark produziert und inhaltlich überzeugend.

Umse macht Hoffnung

In meinem Abschiedsbeitrag (Ende des Blogs) habe ich geschrieben, dass mir die Mentalität der Szene nicht mehr gefällt. So war es vor einigen Jahren zum Beispiel noch so, dass ich viele unterschiedliche Rapper hören konnte. Einige davon haben aufgehört, ein paar lassen einfach nichts mehr von sich hören. Neue Künstler kamen nach, einige davon haben es in meine Playlisten geschafft, die meisten sind allerdings unhörbar – die Musik, die von einem künstlich aufgebautem Image lebt, ist nicht meine Welt. Umse macht Hoffnung, dass es künftig auch eine Nische geben könnte, die sich weit weg davon bewegt. Es gibt noch inhaltlich starken, technisch versierten und ehrlichen Rap.

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Umse - Kunst für sich: "Jeder Mensch mit Geschmack feiert das" (Review), 4.7 out of 5 based on 7 ratings
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Inhalt
John Michael Dorian aka JD: Ein Rap-Fan und Arzt. Im Sacred Heart ausgebildet und dank seiner Freunde Turk, Elliot, Carla, Perry und dem Hausmeister zu dem geworden, was er heute ist.

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