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Ufo361 Interview: „Ehrlich gesagt hasse ich das Spotlight“

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Am 15. August 2014 veröffentlicht Ufo361 das neue Album „Ihr seid nicht allein“ – nun gibt es ein kleines Interview auf JDs Rap Blog, wo wir über die neue Platte, die Entstehung von Songs sowie allgemein über die Rap-Szene sprechen. Schaut’s euch an.

Hallo Ufo361, nun erscheint dein Album „Ihr seid nicht allein“ – ich frage gerne nach dem Feedback der Fans. Das hast du natürlich noch nicht für das gesamte Album. Aber über welches Fan-Feedback würdest du dich am meisten freuen?

Dass sie es wenigstens schon mal gehört haben. Ob dann negatives oder positives Feedback kommt, ist mir egal. Ich finde beides gut für meine Zukunft & es ist interessant für mich zu sehen und zu checken was gut ankommt und was schlecht ankommt. Allgemein Feedback ist mir sehr wichtig, was für ein Feedback genau, ist mir erstmal latte ehrlich gesagt.

Sicher spielt die Presse eine wichtige Rolle bei der Bewertung des Albums – hast du Angst davor, dass es auch negative Kritiken hageln könnte oder wie ordnest du generell Reviews ein?

Mit Kritik kann ich gut umgehen, ich finde das ist auch wichtig. Hauptsache die Leute sind ehrlich. Nicht jeder feiert das, was ich mache, aber muss auch nicht.

Kommen wir explizit zum Album – du hast bei den Kollegen von rap-n-blues darüber gesprochen, dass du mit KD einen Plan entworfen hast. Wie sah der aus?

Erst sollten alle Songs aneinander gekettet eine Story ergeben: Ich will nicht in den Club, dann holen mich Freunde von Zuhause ab, dann kommt ein Clubsong, weil ich mich überreden hab lassen. Dann gefällt mir der Song aber nicht, weil es mir zu poppig ist und dann will ich die Tanzfläche wechseln, wo auch ein funky Song kommt und so weiter. Allerdings war mir das dann alles zu verkrampft und vorgeschrieben mit diesem roten Faden. Ich bin eigentlich ein freier Künstler, wenn mir jemand vorschreibt ich soll rot benutzen, dann nehm ich erst recht blau, das ist so meine Art und Weise an Kunst ranzugehen. Aber ich will auf jeden Fall gerne mal etwas mit der Storyline machen, ähnlich wie bei Kendrick Lamar. Ich hatte ich die Idee auch schon, bevor sein Album rausgekommen ist. Allein deshalb fand ich es krass, dass Kendrick auch so die Richtung fährt: Er steht an einer Ecke und macht dann Freestyle-Battle mit seinen Jungs und so.

Erzähl uns doch bitte etwas darüber, wie so ein Song bei dir entsteht. In welcher Stimmung musst du sein, um Texte zu schreiben? Kannst du es überall oder brauchst du dafür beispielsweise viel Ruhe?

Unterschiedlich. Zum Beispiel bei Nachtschicht habe ich meine Ruhe gebraucht. Da musste es dunkel draußen sein und ich hab mein Gras und Alkohol dabei gehabt und so kam man eben auch in die dementsprechende ruhige und ja, Nachtschicht-Stimmung. Bei „Mir geht’s gut“, da gings mir einfach gut (lacht). Generell ist das bei mir einfach sehr stimmungsabhängig. Wenn ich zum Beispiel Familienstress hab oder meine Freundin mich verlassen hat, kann ich nicht erzählen ‚ja mir geht es gut‘. Ich finde das ist auch eine Sache von Authentizität. Zum großen Teil schreibe ich Zuhause an meinen Songs oder halt im Studio. Wenn ich ne bestimmte Vorstellung von der Produktion hab, gehe ich ins Studio. Dann habe ich vielleicht den Text noch nicht ganz fertig, aber schon so ein paar Lines im Kopf. Der Rest hängt dann von der Produktion ab, von dem Beat, von der bpm-Zahl.

Interessant finde ich auch, wie Konzepte / Ideen für Songs entstehen – wie kommt man darauf, was man am Ende in die Songs packt?

Das hängt meistens von der Hook ab würde ich sagen. Wenn ich in der Hook sage ‚was du reydest‘ dann überleg ich mir halt auch was dazu passt, in dem Fall dann zum Beispiel Leute, wo man nicht versteht was sie reden. Zum Beispiel wie Kenny von Southpark, man versteht nie so wirklich was er sagt. Generell hängt es also meistens von der Hook oder dem Thema an sich ab. Wie ich auf die Themen komme ist schwer zu sagen, manchmal gucke ich in den blauen Himmel und mir fällt das Thema ein, manchmal steht das schon alles irgendwie vor mir, es ist eben immer unterschiedlich.

Nun hast du schon ein paar Jahre in der Rap-Szene auf dem Buckel – was hat sich über die Jahre deiner Meinung nach am krassesten verändert?

Es gibt sehr viele neue Künstler, die auch herausstechen, auffällig und einfach anders sind und verschiedene Sachen machen. Als Beispiel könnte man hier MC Fitti und Cro nennen. Die Szene steckt voller Überraschungen. Es sind nicht nur noch die typischen Leute wie Bushido, Sido und Savas am Start. Mittlerweile haben sich echt viele Leute sich ihren Platz in der Szene erkämpft. Heutzutage gibt es viel Konkurrenz. Ich habe fast das Gefühl es sind mittlerweile fast mehr Rapper als Fans. Meine Fans schreiben mich teilweise an ‚ey jo ich feier deine Mucke, aber hör mal kurz was ich da gemacht hab‘. Da fällt mir schon auf, dass es immer mehr Leute werden, auch aus meinem Umkreis. Ein jüngerer Verwandter von mir will jetzt auch anfangen zu rappen und fragt mich ob er ins Studio mit mir kann.

Gibt es Dinge, mit denen du in der Szene absolut nichts anfangen kannst?

Ehrlich gesagt hasse ich das Spotlight, also dieses Auftreten vor der Kamera und so dieses Ganze drumherum. Auftreten auf der Bühne macht mir zwar Spaß, aber ist eigentlich so gar nicht meine Welt. Ich habe mich 10 Jahre als Sprüher nur im Schatten bewegt und keiner wusste wirklich wer Ufo ist. Ich konnte mit dem Namen machen, was ich wollte, zum Beispiel Vandalismus ausüben wo und wann ich wollte (lacht). Die Bullen wussten das zwar irgendwann, aber es hatte jetzt nicht jeder ein Gesicht dazu. Wenn ich mit meiner Mom essen gehe, dann fragen mich Leute auf der Straße, ob sie Fotos machen dürfen. Diese Aufmerksamkeit feiere ich ehrlich gesagt in Situationen, wo man keine Lust drauf hat und mal seine Ruhe haben will nicht so.

Zurück zu den positiven Dingen – mit welchen Erwartungen bist du selbst an das Album gegangen? Muss es das Top 10 Album sein oder blickst du eher auf andere Dinge?

Ehrlich gesagt gehe ich davon aus, dass ich nicht mal ab 99 charten werde, aber darauf habe ich auch keinen Wert gelegt. Ich hab mich jetzt nicht hingesetzt und gesagt ich muss jetzt in jedem Song eine krasse Melodie oder einen Ohrwurm haben, damit das krasser wahrgenommen wird. Es muss auch nicht jeder Song im Radio spielbar sein. Wenn ich essen gehe, dann esse ich ja auch, worauf ich Lust hab und nicht das, was die Leute essen oder was sie wollen, dass ich esse. Ich hab einfach gemacht, was ich wollte und wenn das auf die Art und Weise klappen sollte, dann wäre das ein viel größerer Erfolg für mich damit zu charten, weil ich mich trotzdem nicht von der Masse einnehmen lasse.

Was machst du nach dem Album? Stehen schon weitere Pläne fest?

Ja ich hab jetzt schon Songs für das nächste Projekt gemacht und denke ich habe da schon so 50% des nächsten Projektes schon am Start. Anfang nächsten Jahres wird man darüber mehr hören und sehen.

Ich wünsche dir viel Erfolg mit dem Album – die letzten Worte hören dir!

Zieht euch das Ding rein, ob ihr das kauft, klaut oder auf Spotify umsonst pumpt ist euch überlassen. Hört es euch einfach an und habt Spaß damit!

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John Michael Dorian aka JD: Ein Rap-Fan und Arzt. Im Sacred Heart ausgebildet und dank seiner Freunde Turk, Elliot, Carla, Perry und dem Hausmeister zu dem geworden, was er heute ist.

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