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Curse – Uns: Die vorletzte Review

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curse uns cover

Es gibt Dinge, die muss man nicht erklären. Ich versuche es dennoch. Es gibt ein paar Rapper, die dafür verantwortlich sind, dass ich überhaupt Rap höre. Das sind ABS und Kool Savas, doch auch Curse ist zu nennen. Schließlich war sein Konzert in Köln (Sinnflut Tour) das erste, was ich besuchte. Da es noch etwas dauert, bis der Sampler erscheint und damit der Blog endgültig endet, schreibe ich die Review zum neuen Curse Album „Uns“ noch.

Vorletzte Review?

JDs Rap Blog wurde schon als Kool Savas Fanpage bezeichnet – vielleicht nicht unberechtigt, da ich sicher noch immer großer Fan bin. Um wieder vollkommen Deutschrap-Fan zu sein und um mich von der elenden Szene zu distanzieren, schließe ich den Blog. Vorher gibt es eben diese Rezension und wahrscheinlich auch noch einige Worte zu „Märtyrer“ von Kool Savas.

Genug der Erklärung – beschäftigen wir uns mit „Uns“ von Curse. Es ist sicher nicht das Rap-Album, was sich viele Fans erhofft haben. Es ist sicher auch nicht die perfekte Platte für junge Hörer, die sich vor allem mit Kollegah und Farid Bang beschäftigen. Es ist eben bei der Musik so, es ist Geschmackssache. Auch meine Stimmung schwankte zwischen Skepsis und Vorfreude. Es wird nicht das Album, was man erwartet, hieß es im Vorfeld. Die ersten Auskopplungen hörten sich auch nicht danach an, was ich erhoffte. Ein Curse Album in Stil von „Innere Sicherheit“, „Sinnflut“ oder „Von Innen nach Außen“ hätte ich wahrscheinlich geliebt. Nun ist es – sagen wir – poppiger geworden. Es taugt der breiten Masse, wohl auch, weil es nicht der klassische Rap ist. Michael Sebastian Kurth aus Minden und sein Team legten den Fokus auf eingängige, aber gleichzeitig nicht simple Produktionen, die man sonst von massentauglichen Veröffentlichungen kennt. Textlich ist das erneut großes Kino – teilweise schwere Kost, die einem eine große Portion Gänsehaut verschafft („Kristallklarer Februar / Für P.“). Vieles muss man eine Weile auf sich wirken lassen. Alle Songs darf man unter keinen Umständen nebenbei hören und man sollte der Platte definitiv eine Chance geben. So konnte ich die Platte auch erst dann richtig genießen, als ich mir Zeit dafür genommen habe. Dazu musste ich meine eigenen Erwartungen und die Gedanken daran, was ich gerne von Curse gehört hätte, hinten anstellen.

Untypisch für Alben von Rappern schafft es Curse, dass man die Beats auch noch tage danach summt, einige Textzeilen vor sich hinträllert und etwas Positives mitnimmt. Ich bekomme zum Beispiel gute Laune, wenn ich „Du träumst wie ich“ oder „Herz zurück“ höre – liegt sicher auch an der musikalischen Unterstützung, die sich Herr Kurth hier geholt hat. Insgesamt kann man sagen, dass sowohl Fibi Ameleya, Elif und Tua gute Arbeit geleistet haben. Sie fallen auf, stellen Curse aber nicht in den Schatten und werten die Platte gleichzeitig auf. Vom Chimperator Künstler hätte ich mir neben der Hook allerdings auch noch einen Part gewünscht, aber so geht es wahrscheinlich vielen Tua Fans.

Was man neben all den tollen Beats sowie gelungen Gastbeiträgen feststellen muss, dass Curse weiterhin von einer unglaublich starken Aura und großartigen Stimme lebt. Ich habe das in meinen über 4.200 Beiträgen sicher das eine oder andere Mal erwähnt: Bei mir kommt es bei Musik, speziell auch bei Rap auf die Stimme. Hier geht es nicht um den Ton treffen oder Ähnliches, viel mehr darum, ob die Stimme besonders ist, heraussticht und mir etwas Positives gibt. Das hat Curse nicht verloren und kann es glücklicherweise auch bei „Uns“ rüberbringen.

Der Wechsel des Erzählens steht Curse gut – früher ging es mehr um das „Ich“ und nun, wie soll es anders sein, steht das „Uns“ im Mittelpunkt. Eine logische Entwicklung eines Mannes, der sich in seiner Entwicklung zunächst um sich selbst kümmert und mit steigender Reife zum Beispiel die Familie in den Mittelpunkt stellt. Trotz dieser Entwicklung oder vielleicht gerade deswegen, bedient er sich nicht den hohlen Phrasen. Textlich ist es simpel und konzentriert sich auf das Wesentliche. Genau das macht es stark, für jeden bekömmlich und ausdrucksstark. So kann Curse diese großartige Atmosphäre aufbauen, von dem das Album lebt.

Zwei Anspielstationen sind es in der normalen Version geworden, vielleicht etwas wenig. Doch hier wird mich der Musiker Curse mit den Worten: „Lieber Qualität als Quantität“ auskontern. Damit könnte er recht haben, doch wenn man ein so starkes Album präsentiert kommt, will man, dass es nicht endet – auch wenn es so wie es ist, eben so gut ist. Kritikpunkte gibt es nicht viele. Ich habe es versucht, doch das Verdrängen der Gedanken an die alten Curse Zeiten, hat nicht geklappt. So wünsche ich mir diese Zeit weiterhin zurück – auch wenn „Uns“ ein Album ist, was ich mit großer Sicherheit noch in vielen Wochen gerne hören werde.

PS: Glückwunsch zu Platz 5 in den Charts!

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Curse - Uns: Die vorletzte Review, 5.0 out of 5 based on 6 ratings
John Michael Dorian aka JD: Ein Rap-Fan und Arzt. Im Sacred Heart ausgebildet und dank seiner Freunde Turk, Elliot, Carla, Perry und dem Hausmeister zu dem geworden, was er heute ist.

1 COMMENT

  1. Curse ist der Hammer und eure Texte und Berichte hier auch.
    Wir sind ein soziales Musikförderprojekt für junge Menschen im Ruhrpott und sind im Rahmen eines Workshops auf euch aufmerksam geworden.
    Alles Gute und weiter so.
    Viele Grüße

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